HMW Classic 125

Es gab eine Zeit, da roch Österreich nach Zweitaktgemisch, Voralpen-Romantik und dem unerschütterlichen Glauben, dass man mit 50 Kubikmetern Hubraum und drei PS bis an die Adria reiten kann. Halleiner Motorenwerke, HMW, das war der Stahgewordene Stolz der heimischen Nachkriegsmobilität. 

HMW

Jetzt schnallt man sich im Neu formatierten Hause HMW Mobility die B111-Krone auf und schickt die Classic 125 ins Getümmel der A1-Klasse.Ist das noch gelebte Nostalgie oder schon feinstes Retro-Baiting für die Cafe-Racer-Fraktion an der Gürtel-Lokal-Meile? Wir haben das Eisen ausgewrungen.

Das Optik-Diktat: 

Speichen, Tropfentank und StilsicherheitVisuell knallt die HMW Classic 125 genau dort rein, wo das Herz des passionierten Garagenschraubers schlägt. Der Tropfentank sitzt stramm auf dem Schleifenrahmen, die flache Sitzbank schreit nach Lederjacke und Tattoos, und die klassischen Drahtspeichenräder verzeihen auch die übelsten Schlaglöcher der Wiener Vorstadt.

Keine zerklüfteten Plastikwüsten, keine aggressiven Insekten-Auge-Scheinwerfer aus dem Windkanal. Stattdessen Rundscheinwerfer, analog angehauchte Instrumente und eine Silhouettentreue, die selbst dem Opa Tränen der Rührung in die Augen treibt.

Retro Styler

Der Fahrbericht: Knackig durch die Serpentinen

Wer glaubt, bei einer 125er Retro-Kiste wartet ein langweiliger Staubsauger-Sound, irrt. Der luftgekühlte Einzylinder-Viertakter brabbelt im Stand erstaunlich erwachsen aus der dunklen Auspuffanlage.

Der Motor: Die knapp 11 bis 12 Pferdchen sortieren sich sauber über das Fünfgang-Getriebe. Keine Rakete für den Red Bull Ring, aber am Gürtel oder auf der Hausstrecke durch den Wienerwald reicht das Schmalz vollkommen, um den Dosenfahrern an der Ampel gepflegt den Auspuff zu zeigen.

Das Fahrwerk: Überraschend stramm. Die Telegabel vorn und die doppelten Federbeine hinten vermitteln direkte Rückmeldung vom Asphalt. Kein schwammiges Gehopse, sondern ehrliches, mechanisches Rückgrat.

Das Handling: Mit rund 120 Kilo Lebendgewicht wirfst du die HMW von einer Schräglage in die nächste, als gäbe es kein Morgen. Die Bremsscheiben packen dank CBS-System dosierbar zu, knackig, ohne den Piloten über den Lenker zu katapultieren.

Fahrvergnügen um unter 3000 EUR

Technische Eckdaten auf einen Blick

HMW Classic 125

Motor 1-Zylinder, 4-Takt, 

luftgekühlt, Hubraum125 cm³

Leistung ca. 11,5 PS (8,5 kW)

Getriebe5-Gang manuell

Bremsen Scheibe vorne & hinten 

FahrwerkTelegabel (vorne), Dual-Shock (hinten)

Gewichtca. 122 kg (fahrfertig)

Führerschein A1, B111 / Code 111

Fazit: 

Das Urteil aus der Redaktion

Die HMW Classic 125 ist kein synthetisches Pendler-Tool, sondern ein Statement gegen den Einheitsbrei. Sie liefert ehrlichen Motorradflair zum schmalen Tarif, ohne dass man nach jeder Fahrt mit Ölfingern in der Garage stehen muss. Ein ideales Werkzeug für den B111-Aufsteiger mit Geschmacksbewusstsein oder den gestandenen Biker, der für die Semmel-Runde am Sonntag nicht die schwere Tausender anwerfen will.

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