Zwischen PS und Vorurteilen: Eicma Hostessen

Immer weniger Hostessen auf Motorrädern. Immer mehr Motorradfahrerinnen an den Ständen. Die EICMA hat sich in den letzten Jahren verändert: Junge Leute sind in großer Zahl zurückgekehrt, und ebenso viele weibliche Motorradbegeisterte aller Art. Touren-, Straßen- und sogar Offroad-Motorräder. Ein neuer Trend, der eine Frage aufwirft: Ist es heutzutage noch sinnvoll, Mädchen in provokanten Posen auf Motorrädern zu zeigen, um die Männer anzulocken?

Erhöhung der Kaufkraft durch Girls Power ?

Der Mensch hinter der Show, Bianca ist Messe Hostess und erzählt uns ihre Sicht der Dinge:

Mein Name ist Bianca. Ich bin Grafikdesignerin, Model und – tief im Herzen – leidenschaftliche Motorradfahrerin. In meiner Garage steht eine Honda CBR 600 RR (Baujahr 2007), mein ganzer Stolz.

Drei Jahre lang durfte ich die EICMA nicht nur besuchen, sondern aktiv mitgestalten. Die Zusammenarbeit mit Marken wie Aprilia und Yamaha war intensiv: Tage voller Emotionen, Adrenalin und inspirierender Begegnungen. Dieser Job verlangt Ausstrahlung und Charisma, aber er schenkt einem auch unglaublich viel zurück. Wenn Besucher stehen bleiben, um über Technik zu fachsimpeln oder Erfahrungen auszutauschen, merke ich: Für Menschen mit Benzin im Blut sind diese Momente kostbar. Jede Geschichte hinter einem Biker macht den Tag einzigartig.

Die Kehrseite der Medaille

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Jedes Jahr flammen die gleichen Kontroversen um unsere Rolle auf der Messe auf. Es gibt immer noch die Ansicht, wir Frauen seien lediglich „dekoratives Beiwerk“ oder würden von den Maschinen ablenken.

Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem kleinere Marken auf ein veraltetes Marketing setzen: Ein Dresscode nach dem Motto „Sommer 2001, Disco an der Riviera“, um billige Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das ist nicht nur geschmacklos, es scheint für manche Besucher leider auch eine Einladung für respektloses Verhalten zu sein.

Eines vorweg: Trotz meines Humors und meiner Selbstironie ist es nicht immer leicht, auf die unverschämten Sprüche mancher Besucher zu reagieren, die eine internationale Fachmesse mit einer Spelunke verwechseln.

Eine universelle Wahrheit

Ich verrate euch ein Geheimnis: Keine Frau auf dieser Welt hat jemals gedacht: „Wow, dieser sexistische und vulgäre Kommentar war so charmant – er muss die Liebe meines Lebens sein.“ Das passiert nicht. 

Wenn wir trotz solcher Sprüche lächeln, dann nur aus Professionalität und gesundem Selbstbewusstsein.

Das Problem ist dabei gar nicht der lockere Spruch unter Freunden. Das Problem ist strukturell. Wenn Fachmedien und Organisationen der Motorsportwelt Frauen in provokanten Posen zeigen und Werbevideos produzieren, die eher an billige Reality-Shows erinnern, müssen wir uns eine Frage stellen:

Welches Publikum wollen wir eigentlich ansprechen? Motorsport-Enthusiasten oder OnlyFans-Nutzer?

Ein Plädoyer für Respekt

Was wir fordern, ist schlichtweg Respekt. Respekt für alle, die dazu beitragen, die EICMA zu dem zu machen, was sie ist: ein einzigartiges Event der Innovation und Leidenschaft.

Hinter jedem Lächeln am Stand steht eine Frau mit eigenen Gedanken, Träumen und oft einer Expertise für Zweiräder, die so manchen Kritiker überraschen würde. Die EICMA sollte ein Fest für alle sein – eine Feier der Geschwindigkeit, der Freiheit und der Gemeinschaft. Lasst uns diese Kultur bewahren, indem wir einander auf Augenhöhe begegnen.


MR/LF

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