Es ist amtlich. Während wir uns noch darüber stritten, ob ein Espresso an der Bar nun im Stehen oder im Sitzen teurer zu stehen kommt, haben die Herren von Hero MotoCorp – dem Giganten aus Neu-Delhi – ihre Koffer in Italien ausgepackt. Es handelt sich hierbei nicht um eine bloße Urlaubsreise, sondern um eine logistische Meisterleistung, die selbst meine beste Ehefrau von allen beeindrucken würde, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt wäre, den Küchenschrank umzusortieren.
Die nackten Zahlen (für Leute, die gerne rechnen)
Man muss sich die Dimensionen klarmachen, bevor man den Kopf schüttelt:
Produktion: Hero baut alle 18 Sekunden ein Fahrzeug. Das ist schneller, als ich benötige, um zu entscheiden, welche Krawatte zu meinem Pessimismus passt.
Marktmacht: Wir sprechen vom größten Zweiradhersteller der Welt. Wenn in Indien alle Hero-Fahrer gleichzeitig hupen würden, könnte man das vermutlich noch in Tel Aviv hören.
Der Plan: Gemeinsam mit dem Partner Pelpi International wird Italien nun systematisch mit indischer Technik überzogen. Zuerst 36 Vertragshändler, bald 54. Es ist eine Invasion, aber eine mit Serviceheft.
Die Wunderwaffen aus dem Osten
Die indische Strategie setzt auf zwei Modelle, die so klangvolle Namen tragen, dass man sich sofort jünger fühlt:
Die XPulse 200: Ein Motorrad für das Gelände. Sie sieht aus, als könnte sie problemlos einen Monsun durchqueren, drei Ziegen transportieren und danach noch eine Ehrenrunde auf dem Petersplatz drehen.
Die Hunk 440: Ein „Naked Bike“ mit 27 PS. Das klingt nach wenig, reicht aber völlig aus, um im italienischen Stadtverkehr schneller von einer roten Ampel zur nächsten zu kommen als die Konkurrenz.
Die deutsch-indische Ehe
Das eigentlich Erstaunliche an dieser Geschichte ist das Hero Tech Center in München. Man hat dort indisches Temperament mit bayerischer Gründlichkeit gekreuzt. Das Ergebnis sind Fahrzeuge, die vermutlich indisch aussehen, aber so präzise funktionieren, dass man sie nach der Fahrt wahrscheinlich mit dem Lineal ausrichten möchte.
Das ultimative Argument: Die Garantie
Hero bietet fünf Jahre Garantie. In einer Welt, in der nicht einmal das Wetter von morgen garantiert ist, wirkt das fast wie ein biblisches Versprechen. Fünf Jahre! Das ist länger als die meisten Koalitionsregierungen halten und definitiv länger als die Haltbarkeit einer durchschnittlichen Diät meiner Wenigkeit.
Fazit des Berichts:
Italien bereitet sich vor. Die Preise sind moderat, die Technik ist solide und der indische Gigant meint es ernst. Ob sich die italienische Seele mit dem indischen Stahl verträgt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: Wenn Hero so weitermacht, wird man bald in Rom mehr indische Helden sehen als in einem Bollywood-Film.