BMW R12 nineT "The Tracker" Testbericht

Unter der Kategorie "Heritage" findet man bei bmw-motorrad.at den Roadster mit der kryptischen Bezeichnung R12 nineT.  Ein Motorrad, das einen zeitlosen Look gepaart mit aktueller Technik vereinen soll. Grund genug für uns das Ding zu testen, nachdem uns BMW Österreich ein Modell zur Verfügung stellte.

Voll getestet

Die Abholung erfolgte bei BMW Wien Heiligenstadt und als ich eintraf stand die R12 nineT schon parat, als Sondermodell "The Tracker" und eigentlich hat mich die Optik schon überzeugt, bevor ich überhaupt noch einen Meter gefahren bin. Zum Glück ist meine Kreditrate limitiert, bei den Finanzierungsangeboten hielt ich mir die Ohren zu und schließlich wäre das auch kein seriöser Test von motorradreporter.com, daher wurde die R12 nineT einem schonungslosen Testprocedere unterzogen. Stadtverkehr mit Stau, Ausfahrten auf berühmt berüchtigten Strecken um Wien, Duelle mit Supermotos, schwerer Regen, nichts blieb ihr erspart. Hier die Eindrücke, in planloser Reihenfolge:

Beim Motor 
vertraut BMW ihrem bewährten 1200er Boxer, der mit 109PS und 115NM für diese Art von Motorrad optimal ist. Mit der aktuellen Euro-Abgasnorm fühlt sich der Motor ab 2500 U/min so richtig wohl und reagiert ab dieser Drehzahl sofort auf Gasdrehbewegungen gegen den Uhrzeigersinn.
Aber Obacht, so ein Boxer hat auch eine merkbare Motorbremse, nicht dass der zu erwartenden Klientel – vermutlich über 50, beruflich gut situiert – beim abrupten Zudrehen des Gasgriffs die dritten Beißerchen auf den Tank fallen. Wobei in Wahrheit ist 50 das neue 40 und eigentlich ist dieses Motorrad optisch sehr cool und daher durchaus auch für dreitagesbärtige Medizinstudenten im 24 Semester geeignet, um in die Innenstadt zum In-Lokal auf einen Espresso oder Negroni zu fahren.

Beim Thema Optik
muss man natürlich den gebürsteten Alutank anmerken, die Einarmschwinge sowieso, aber ganz wesentlich sind die Individualisierungen, die man direkt bei BMW konfigurieren kann. Unser Testmodell hatte die Variante "The Tracker" installiert, eine optische Anlehnung an die früheren Flattrack Bikes in den USA. Möchte man mehr den Style eines Café Racers, so wählt man einfach andere Zubehörteile im Konfigurator. Das Motorrad wirkt dadurch völlig anders – fast wie ein eigenes Modell. Und das Beste ist die Qualität dieser original BMW Zubehörteile, alles wirkt bombenfest, nichts scheppert, nichts wackelt, außer die gummigelagerten Rundinstrumente, Oldschool eben. Wer das nicht möchte, der nimmt einfach den optionalen Digitaltacho.

Die niedrige Sitzhöhe und die eher aufrechte Sitzposition sind absolut komfortabel, der Sitz langstreckentauglich, und trotzdem ermöglicht diese Sitzposition jederzeit den Wechsel auf den Angriffsmodus wie bei einem Naked Bike.

Das Fahrwerk, gepaart mit verschiedenen Fahrmodi, wie Dynamik, Road, Rain, gab mir in jeder Situation ausreichend Feedback und nie das Gefühl einer Unsicherheit. Die R12 nineT ist keine Sänfte, und durchaus für agiles Fahren geeignet, der Boxermotor hat einen guten Drehmomentverlauf und dreht willig in die oberen Drehzahlregionen. Nur im Bereich unterhalb von 2500 Umdrehungen ist er unwillig.  Es macht Spaß sich durch kurvenreiche Straßen zu zoomen, ohne jedoch das Gefühl zu haben überfordert zu werden, oder gar nur mehr Passagier zu sein.

Ein Tempomat, Heizgriffe, oder auch die "Hill Stop Control", das Motorrad hält automatisch die Bremse am Stand, ist sinnvoller Luxus den man im täglichen Betrieb schätzen lernt. Das Headlightpro mit Kurvenlicht konnte ich mangels Nachtfahrt nicht testen, aber es klingt prinzipiell einmal gut, um am Stammtisch die Kollegen zu panieren.

Beim Thema Keyless sollte man sich aber eher ruhiger verhalten, denn ich brauche zwar keinen Schlüssel zum Starten, aber für die Lenkradsperre schon. Also irgendwie ist das Glas damit nur halbvoll.

Auftrumpfen kann man dann wieder mit dem für einen Boxermotor sehr gut funktionierenden Schaltautomat, oder dem Sound aus dem Doppelrohrauspuff, der für Anrainer nicht nervend ist, dem Fahrer aber eine gute Soundkulisse gibt.

Fazit:
Optisch ist für mich die BMW R12 nineT Tracker Edition eine der schönsten Café Racer, die es aktuell am Markt gibt. Der Boxermotor passt dafür optimal, auch wenn dieser beim Durchschlängeln in der Autokolonne mit zu kalkulieren ist, man passt damit nicht durch jede Lücke zwischen den Autos. Vorsorglich hat BMW Lenkerendenspiegel beim Testmotorrad montiert, die die minimalste Breite vorgaben und so stabil waren, dass jeder Autospiegel geflogen wäre, wenn man sich verschätzt hätte. Dafür hat man klare Sicht nach hinten, keine Vibrationen, auch nicht bei über 180km/h, die man aufgrund der in das Motorrad eingebetteten Sitzposition auch ziemlich unaufgeregt absolviert, aber natürlich nur in Deutschland. Wozu also eine GS kaufen, wenn man eh nicht Offroad fährt, die R12 nineT ist optimal für Connaisseure der Optik, kurvige Touren in schöner Landschaft und auch, um damit ganz cool im Anzug und Jethelm vor das Lokal in der Stadt zu fahren, um den After-Work-Drink (alkoholfrei natürlich) mit Freunden einzunehmen.

Tags