Marc Marquez: Karma gibt es nicht

Sachsenring – Marc Márquez hat das Sprintrennen auf dem Sachsenring vor seinem Bruder Alex und Fabio Di Giannantonio gewonnen. Es war jedoch nicht die Dominanz, die man sich hätte vorstellen können. Am Ende kamen die beiden Verfolger der Nummer 93 extrem nahe: Alex lag im Ziel nur 0,3 Sekunden und Di Giannantonio 0,7 Sekunden zurück.

Für MM93 werden es auch im morgigen Hauptrennen diese drei sein, die den Sieg unter sich ausmachen – Aprilia rechnet er keine Chancen aus. Der Sachsenring ist für ihn eine Ducati-Strecke. Ducati, so betonte Márquez erneut, sei das beste Motorrad unter den fünf Herstellern.

Hier sind die Aussagen, die Marc Márquez nach dem Sprintrennen gegenüber den Journalisten machte:

Glückwunsch zum Sieg...

„Seht ihr? Das ist der Sachsenring. Zu gewinnen sollte hier normal sein , für euch vielleicht, aber nicht für mich. Deshalb weiß ich diesen Sieg sehr zu schätzen, denn er war hart erkämpft. Sie haben mich bis zum Schluss extrem angetrieben. Alex war sehr schnell, ebenso wie Di Giannantonio, aber wir konnten einen konstanten Rhythmus halten und vor allem Fehler vermeiden. Aber für morgen, bei 30 Runden, sage ich euch jetzt schon: Wenn wir um den Sieg mitfahren wollen, müssen wir noch ein paar Dinge ändern.“

Noch einmal zum Sprintrennen...

„Es gab einen Moment, in dem ich natürlich sah, dass Alex auf dem zweiten Platz lag, und ich dachte: ‚Na ja, wenn er mich überholt... Alex als Erster ist auch nicht so schlecht. Das bleibt in der Familie.‘ Aber Alex war schon seit dem Morgen extrem schnell. Wir müssen genau verstehen, warum, und noch diesen kleinen Schritt nach vorne machen.“

Über seine Pole-Position mit Streckenrekord verriet Márquez eine Anekdote...

„Ja, die Qualifikation ist mittlerweile noch wichtiger geworden, da die Abstände in der Startaufstellung größer sind. Gestern Nachmittag habe ich dem Team gesagt, sie sollen mir drei Reifen vorbereiten, weil ich Risiko eingehen wollte. Ich habe gesagt, dass ich auf dieser Strecke ins Risiko gehen muss, wenn ich auch nur die geringste Chance auf den WM-Titel haben will. Und genau das tue ich gerade.“

Zu den Bereichen, in denen er noch nicht so fährt, wie er möchte, um den Unterschied auszumachen...

„Es gibt zwei oder drei Punkte, an denen ich auf dem Motorrad nicht das tun kann, was ich gerne möchte. Ich werde euch nicht genau verraten, wo das ist, aber ich möchte versuchen, diesen Schritt nach vorne zu machen. Verliere ich in den Rechtskurven mehr Boden als nötig? Nein, in den Rechtskurven verliere ich genau das Nötige. Bergab ist es zwar so, aber das ist ein Bereich, in dem ich schon immer Boden verloren habe, selbst als ich mich gut fühlte. Mein Arm ist in diesem Fall keine Ausrede.“

Zum Sturz und der Verletzung von Bez (Marco Bezzecchi)...

„So läuft das eben. Das passiert, wenn man 22 Rennwochenenden – beziehungsweise 44 Rennen – hat. Die Intensität in der Weltmeisterschaft ist enorm hoch, und ich will es eigentlich nicht heraufbeschwören, aber bis zum Ende der Saison wird es noch weitere Verletzungen geben. Das bringt dieses Format mit 44 Rennen mit sich. Eine komplette Saison ohne Verletzungen zu überstehen, ist extrem schwierig. Dennoch wünschen wir Bezzecchi natürlich eine schnelle Genesung.“

Anschließend sprach Márquez über das Problem mit den Kanten im Kiesbett...

„Ein weiterer Fahrer hat sich im Kiesbett verletzt. Dort gab es an einer flachen Stelle eine Kante – genau wie dort, wo ich mich in Indonesien verletzt habe, wo sich Fermín [Aldeguer] in Assen verletzt hat und wo sich Bezzecchi heute verletzt hat. Es ist immer das gleiche Problem. Hoffentlich wird das in Zukunft behoben. Natürlich kann immer mal etwas durchrutschen, aber solche Dinge sollten geregelt werden. Wir schreiben das Jahr 2026, und ich denke, diese Absätze im Kies können verbessert werden.“

Glaubst du, dass Bezzecchi unter dem Druck ein wenig gelitten hat?

„Wisst ihr, was das ist? Man fährt ganz anders, wenn man nichts zu verlieren hat, im Vergleich dazu, wenn man etwas zu verlieren hat. Ich war schon in beiden Situationen. Wenn man nichts zu verlieren hat, pusht man, riskiert viel und oft zahlt es sich aus. Aber wenn man mit dem Druck umgehen muss, ist es viel schwieriger, jeden Moment des Wochenendes zu kontrollieren. Und die beiden, die derzeit am meisten zu verlieren haben, sind Martín und Di Giannantonio – die beiden, die zusammen mit Bezzecchi in der WM vorne liegen, wobei Letzterer nun verletzt ist.“

Du hast den Rückstand auf den Führenden seit Mugello von 102 Punkten auf nun 32 Punkte verkürzt...

„Ja, ich bin 32 Punkte hinter Martín. Aber es gibt nicht nur Martín und Bezzecchi. Da ist auch Di Giannantonio, der sehr konstant fährt und völlig geräuschlos im WM-Kampf mitmischt. Er liegt vorne und wir haben erst die Hälfte der Meisterschaft hinter uns. Es ist noch ein sehr weiter Weg.“

Antworten auf Englisch (Fragen internationaler Medien)

Nach Bezzecchis Sturz sprechen viele in den sozialen Medien von „Karma“ wegen dem, was dir in Indonesien passiert ist. Hast du eine Botschaft an sie?

„Karma existiert nicht. Ich höre zum Beispiel seit 2015 von Karma – und danach habe ich sechs Weltmeistertitel gewonnen (Anmerkung der Redaktion: Hier unterläuft Marc ein interessanter Rechenfehler, eigentlich waren es fünf Titel: '16, '17, '18, '19 und '25. Der sechste wäre demnach der von '26). Wenn das also Karma ist, dann immer her damit. Aber Karma gibt es nicht. Ihr wisst, dass wir Fahrer auf der Strecke extrem viel riskieren. Wir wünschen Marco alles Gute. Ich habe schon während des Indonesien-Wochenendes in den sozialen Medien geschrieben, dass man nicht auf Marco losgehen sollte, weil solche Dinge im Rennen einfach passieren. Heute gibt es jedoch eine Sache, die wir für die Zukunft lösen können: Nach Bezzecchi, Fermín in Assen und mir in Indonesien haben wir uns alle durch die Kante beim Sturz ins Kiesbett verletzt. Ich hoffe auf eine gute Genesung für Bez, aber ich hoffe auch, dass man dieses Problem in Zukunft behebt.“

Was denkst du über die Aprilias? Glaubst du, dass sie morgen mit den Ducatis mithalten können?

„Nein, morgen ist Ducati-Tag. Es muss der Tag von Ducati werden, so wie in Assen der Tag von Aprilia war. Morgen muss Ducati abliefern. Mal sehen, ob wir das Wochenende auf die richtige Weise abschließen können.“

Was macht die Aprilia in Assen schneller als die Ducati?

„In Assen gab es viele schnelle Kurven. Hier ist es eher ein ‚Stop-and-Go‘-Kurs mit weniger schnellen Kurven. Genau da macht die Aprilia normalerweise den Unterschied. Wie ich immer sage: Man kann nicht auf jeder Strecke des Kalenders und in jeder Art von Kurve das stärkste Motorrad haben. Aber ich glaube – und das sage ich seit dem ersten Rennen der Saison –, dass die Ducati über 22 Rennen hinweg das beste Motorrad ist. Nur schaffe ich es selbst nicht in jedem Rennen, das Maximum aus dem Bike herauszuholen. Aber das Motorrad funktioniert hervorragend.“

In einem spanischen Interview hast du über das Steuerthema gesprochen – dass du weiterhin in Madrid wohnen bleibst, anstatt nach Andorra zu ziehen. Kannst du das auf Englisch erklären?

„Ich verstehe Menschen, die dorthin ziehen wollen, jeder ist frei, das zu tun. Aber meiner persönlichen Meinung nach fühle ich mich frei, wenn ich dort lebe, wo ich möchte. Natürlich hilft es, dass ich sehr viel verdiene und mir selbst nach Abzug der Steuern noch viel übrig bleibt. Aber mir geht es in Spanien gut und ich möchte dort leben, wo ich das Gefühl habe, das Beste geben zu können, um auf der Strecke Leistung zu bringen. Anfangs lebte ich in Cervera, weil ich dort entspannt war und keine Physiotherapeuten oder speziellen Geräte brauchte. Seit meiner Verletzung brauche ich jedoch spezielle Maschinen, Physios und ein anderes Training. Deshalb bin ich nach Madrid gezogen, weil ich dort ein gutes Team und ein gutes Zentrum gefunden habe. Aber ich wohne immer dort, wo ich glaube, auf der Strecke am besten abliefern zu können.“

Wir haben gesehen, wie du mit Diggia (Di Giannantonio) über den Streckenrekord gescherzt hast. Möchtest du das kommentieren?

„Ja, er ist letztes Jahr im Pre-Qualifying eine unglaubliche Runde gefahren. Ich wollte den Rekord auf dieser Strecke unbedingt haben.“

Wie geht es deiner Schulter?

„Der Schulter geht es gut. Der Ellbogen wird zwar wehtun, aber er wird mich nicht einschränken.“

Was sagst du zur Rückkehr deines Bruders Alex an die Spitze?

„Ich freue mich sehr zu sehen, dass mein Bruder wieder so fährt, wie er es kann. Ich glaube, ohne den unverschuldeten Unfall in Barcelona wäre Alex heute der WM-Führende. Denn wie er in Assen und auch heute gezeigt hat, fährt er extrem stark. Letztes Jahr wurde er hier Zweiter und er ist aktuell einer der schnellsten Fahrer im Feld.“

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