Erster Eindruck /Optik
Schon beim ersten Blick ist klar: hier wurde nicht versucht, jedem zu gefallen. Die klassische Ducati Optik des Vorgängermodells ist zugunsten Gewichtsersparnis, moderner Fahrdynamik und kompromissloser Performance ersetzt worden: Aluminium Monocoque statt Gitterrohrahmen, die beliebte markante Einarmschwinge weicht einer Zweiarmschwinge.
Ein Trend, der sich langsam durch die gesamte Modellplatte von Ducati zieht und vielleicht den ein oder anderen eingefleischten Ducatisti seufzen lässt. Zweifellos lassen jedoch die hohe Front, die schmale Taille, der markante Tank und die zwei sportlichen Auspuffrohre unter dem kurzen Heck die Hypermotard wie ein übermotiviertes Sportgerät wirken, dass nur darauf wartet in größtmöglicher Schräglage durch enge Kurven gewetzt zu werden.
Die SP legt noch eine Schippe drauf: weiße Schmiederäder, goldene Öhlins-Komponenten, Carbon-Kotflügel und die spezielle SP-Lackierung sorgen für reichlich Rennsport-Flair. Die „20“ erinnert dabei an das erste Hypermotard-Konzept von 2005. Kurz gesagt: die Ducati Hypermotard V2 sieht aus, als hätte sie es immer eilig. Selbst wenn sie auf dem Seitenständer steht.
Der Motor: 890 Kubik mit ordentlich Feuer
Im Zentrum der neuen Hypermotard arbeitet Ducatis 90-Grad-V2 mit 890 cm³. Der kompakte Zweizylinder verfügt über variable Einlasssteuerung und liefert 120,4 PS bei 94 Nm. Besonders interessant ist dabei nicht nur die Spitzenleistung, sondern die Art, wie Ducati das Drehmoment über das Drehzahlband verteilt. Laut Hersteller stehen bereits bei 3.000 U/min rund 70 Prozent des maximalen Drehmoments zur Verfügung.
Das passt ziemlich gut zum Konzept einer Hypermotard. Denn auf der Landstraße braucht niemand einen Motor, der erst kurz vor dem Begrenzer aufwacht. Gefragt ist Druck aus niedrigen und mittleren Drehzahlen – genau dort, wo aus einer engen Kurve innerhalb weniger Meter wieder ein ziemlich flotter Abschnitt werden kann und das wird auch geliefert. In der Praxis bedeutet das, dass man z.B.: äußerst enge Kurven wie z.B. Spitzkehren auch mit dem zweiten Gang durchfahren kann und dann beim Rausbeschleunigen wieder recht schnell mit viel Schmalz an der Kette gezogen wird.
Darüber hinaus ist das Motorrad für einen 2-Zylinder überraschend vibrationsarm. Generell habe ich mich zwischen 3000-8000 U/min am besten aufgeboben gefühlt, die maximalen 120,4 PS werden bei 10.750U/min erreicht.
Geschaltet wird über ein Sechsganggetriebe mit Ducati Quick Shift 2.0. Der Quickshifter arbeitet dabei in beide Richtungen up & down und gestaltet den Gangwechsel butterweich und präzise so wie ich es selten bei einem anderen Motorrad erfahren durfte. Oder einfacher gesagt: Kupplung ziehen ist möglich. Notwendig ist es aber erstaunlich selten. Auch die Leerlaufsuche unmittelbar nach Kaltstart ist problemlos. Angenehm aufgefallen: wenn man schaltfaul im zweiten Gang auf eine rote Ampel zu rollt, kann man im Stillstand gleich direkt von der Zweiten in den Leerlauf schalten.
SP bedeutet bei Ducati: bitte einmal alles
Der eigentliche Unterschied zwischen Hypermotard V2 und V2 SP steckt weniger im Motor als im Fahrwerk und in den Komponenten. Während die normale V2 mit Kayaba-Federelementen und Gussrädern auskommt, spendiert Ducati der SP eine voll einstellbare Öhlins-NIX30-Gabel mit 48 Millimetern Standrohrdurchmesser sowie ein voll einstellbares Öhlins-STX46-Federbein. Dazu kommen geschmiedete Aluminiumräder und ein Carbon-Vorderradkotflügel.
Auch beim Ankern wird nicht gekleckert. Vorne beißen 2Stk Brembo-M50-Zangen auf 320mm Bremscheiben, hinten wird mit einer 245-Millimeter-Bremsscheibe verzögert. Die Bremsleistung ist wirklich extrem gut und vor allem extrem fein dosierbar –das ist mir tatsächlich gleich als erstes beim ersten Ampelstopp nach Verlassen des Ducati Stützpunkts aufgefallen. Bereift ist die SP mit dem Superkleber Pirelli Diablo Rosso IV Corsa in der Dimension 120/70 ZR17 vorne und 190/55 ZR17 hinten. Einen Lenkungsdämpfer gibt es aber bei beiden Modellen. Das ergibt eine Ausstattung, bei der man sich durchaus fragen darf, ob man eigentlich noch auf einer Landstraßenmaschine sitzt, oder schon das Startnummernschild einer Rennstreckenmaschine montiert hat.
Leichtfüßig statt schwerfällig
177 Kilogramm ohne Kraftstoff sind für ein Motorrad dieser Leistungsklasse schon eine Ansage. Gegenüber der normalen Hypermotard V2 spart die SP weitere drei Kilogramm ein, was vor allem den leichteren Komponenten geschuldet ist. Ducati nennt unter anderem die Schmiederäder, leichtere Anbauteile und die Lithium-Batterie als Teil des SP-Pakets.
Das geringe Gewicht ist bei einer Hypermotard besonders interessant. Denn ihr Konzept lebt nicht von maximalem Topspeed, sondern von Richtungswechseln, spätem Bremsen und möglichst wenig körperlichem Aufwand beim Umlegen. Und das macht sich sofort bei kurz aufeinander wechselnden engen Kurvenradien bemerkbar. Meine kleine persönliche Teststrecke, den kleinen Semmering, bin ich noch mit keinem anderen Motorrad (zumindest subjektiv) so schnell durchfahren. Pässe glühen in Südtirol muss ein Traum mit diesem Motorrad sein, für mich wäre das der perfekte Einsatzort, die weite Anfahrt dorthin ist vielleicht ein anderes Thema.
Stichwort Komfort: die Sitzhöhe ist sehr angenehm, auch für kleinere Fahrer wie mich, mit meinen 174cm habe ich einen festen Stand am Boden, was auch Sicherheit z.B. beim Rangieren im leichten Gefälle vermittelt. Sitzposition ist dabei typisch Supermoto: aufrecht, aktiv und mit viel Bewegungsfreiheit. Das Motorrad soll nicht gefahren werden wie ein klassischer Supersportler. Man soll mit ihm arbeiten. Und genau das macht den Reiz der Hypermotard aus.
Elektronik: viel Hirn für viel Unsinn
Wer bei einer Ducati Supermoto nur an Wheelies und quer stehende Hinterräder denkt, bekommt 2026 eine kleine Elektronikvorlesung gratis dazu. Die Hypermotard V2 SP verfügt über eine 6-Achsen-IMU und bietet unter anderem Kurven-ABS, Ducati Traction Control, Wheelie Control, Engine Brake Control und den Quickshifter. Die Systeme sind mit den vier Fahrmodi Race, Sport, Road und Wet verknüpft. Dazu kommen bei der SP Ducati Power Launch und ein Pit Limiter. Die Elektronik soll dabei nicht den Spaß verhindern, sondern ihn kontrollierbarer machen. Gerade bei einem Motorrad mit diesem Leistungsgewicht ist das ein durchaus sinnvoller Ansatz.
Alltag & Touren
Die Hypermotard V2 SP ist kein Motorrad, das seine Qualitäten erst bei 200 km/h offenbart. Ihr Revier beginnt dort, wo andere Motorräder anfangen, sich über schlechte Straßen und enge Kurven zu beschweren. Das Rezept ist simpel: breiter Lenker, hohe Sitzposition, kompakte Abmessungen, geringes Gewicht und ein kräftiger V2. Vier Fahrmodi, umfangreiche Assistenzsysteme, TFT-Display, LED-Beleuchtung und die Möglichkeit, Ducati Multimedia System, Turn-by-Turn-Navigation sowie einen Tempomaten zu nutzen bzw. nachzurüsten, machen die Hypermotard grundsätzlich alltagstauglich.
Natürlich gibt’s kein Windschild, und die Sitzbank ist für mein Empfinden auf der härteren Seite, aber es lassen sich mit ein wenig Zähne Zusammenbeißen und regelmäßigen Pausen auch längere Touren bewerkstelligen. Allerdings sollte man eine Strecke mit dichten Tankstellennetz im Auge behalten, denn der Tank fasst nur 12,5 Liter - und mein durchschnittlicher Verbrauch war rund 6,5 Liter auf 100km. Die sportliche Auslegung der Hypermotard SP und steht eben im Vordergrund, sie ist keine rollende Langstrecken Wohnzimmergarnitur – dessen muss man sich beim Kauf im Klaren sein.
Ducati Hypermotard V2 vs. V2 SP – eine Frage des Anspruchs (und des Budgets)
Der Aufpreis von 4.600 Euro für die Ducati Hypermotard V2 SP gegenüber der Standardversion ist definitiv kein Bemmerl. Ob er gerechtfertigt ist, hängt allerdings stark davon ab, wie sportlich man es tatsächlich angehen lässt. Denn eines vorweg: mehr Motorleistung gibt es dafür grundsätzlich nicht. Die Stärken der SP liegen vielmehr dort, wo das Tempo steigt und die Strecke anspruchsvoller wird.
Hochwertige Öhlins-Fahrwerkskomponenten, leichtere Räder und die Brembo-M50-Bremsanlage sind schließlich nicht nur schmückendes Beiwerk fürs Datenblatt. Sie spielen ihre Vorteile vor allem beim beherzten Anbremsen, bei schnellen Richtungswechseln und bei beherzter Gangart auf der buchstäblich letzten Rille aus. Wer seine Hypermotard also regelmäßig äußerst sportlich bewegt und das fahrerische Potenzial entsprechend ausschöpft, wird die Unterschiede durchaus zu schätzen wissen.
Andererseits sollte man die Kirche im Dorf lassen: drei Kilogramm Gewichtsersparnis sind kein Quantensprung, und auch das Kayaba-Fahrwerk sowie die Brembo-M4.32-Bremsanlage der Standardversion bieten mehr als genug Reserven für eine äußerst sportliche Gangart. Fahrspaß ist damit garantiert und zwar reichlich. Außerdem steht die „normale“ V2 optisch ja auch fesch da. Und das gesparte Geld lässt sich durchaus sinnvoll investieren: beispielsweise in einen schönen Motorradurlaub mit der Gattin oder Freundin. Alternativ bietet sich natürlich auch passendes Zubehör an, etwa ein Termignoni-Slip-on inklusive Abstimmung. Die Komplettanlage samt Krümmer ist allerdings nicht straßenzugelassen.
Kurz gesagt: die V2 SP ist die exklusivere Wahl für alle, die das Maximum an Fahrwerksperformance und Bremsleistung herausholen möchten. Die Standard-V2 hingegen bietet jede Menge Fahrspaß, ohne das Budget ganz so gnadenlos zu schröpfen.
Fazit
Die Ducati Hypermotard V2 SP ist ein Motorrad für Menschen, die bei „Fahrspaß“ nicht automatisch an eine möglichst große Verkleidung denken. Mit 120,4 PS, 94 Nm, 177 Kilogramm Gewicht und einem hochwertigen Öhlins-/Brembo-/Schmiederad-Paket bringt sie technisch alles mit, was man von einer sportlichen Premium-Hypermotard erwarten darf. Dazu kommt eine Elektronik, die vom entspannten Straßenbetrieb bis zum sportlichen Einsatz eine breite Palette abdeckt.
Der Preis ist allerdings ebenfalls Premium: bei uns in Österreich liegt die Hypermotard V2 SP dank Nova aktuell bei 23.495 Euro. Dafür bekommt man kein Motorrad, das möglichst viele Dinge möglichst gut können möchte. Man bekommt ein Motorrad mit einer ziemlich klaren Mission: Kurven fahren, bremsen, beschleunigen, wieder bremsen und dabei möglichst viel Spaß haben. Die Hypermotard V2 SP ist damit weniger Vernunftentscheidung als bewusste Eskalation. Und manchmal ist genau das der Sinn eines Motorrads.
Preise (Quelle Ducati Austria):
Ducati Hypermotard V2………Euro 18.895,00
Ducati Hypermotard V2 SP…..Euro 23.4695,00