Continental TKC 80² Reifen - Testbericht

Es ist vollbracht. Man hat Hand an das Heiligtum gelegt. Der TKC 80, jener schwarze Gummiring, der seit vierzig Jahren so unverrückbar zum Motorradfahren gehörte wie der Irrtum zur Steuererklärung, wurde renoviert.

Der Neue

In Hannover haben die Ingenieure ihre Schieberausgetauscht und ein Werk vollbracht, das man nur als „Die totale Erneuerung des Kreises“ bezeichnen kann. Man nennt ihn nun TKC 80². Eine kleine hochgestellte Zwei, die besagt: Alles ist neu, aber die Seele bleibt, wo sie ist – nämlich im Dreck.

Die Geometrie der Stille

Das Problem bei Stollenreifen ist normalerweise folgendes: Auf freier Landstraße lärmen sie derart, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, was bei manchen Zeitgenossen durchaus ein Segen sein mag, beim Motorradfahren jedoch eher stört.

Doch Continental hat die Stollen nun asymmetrisch angeordnet. Das ist reine Psychologie! Die Schallwellen werden durch diese Anordnung derart verwirrt, dass sie gar nicht erst wissen, in welche Richtung sie dröhnen sollen, und schließlich frustriert verstummen. Dazu wurden die Blöcke um dreißig Prozent vergrößert – sie sind nun so massiv, dass sie selbst den schwersten Maschinen (man denke an die BMW 1300 GS, dieses rollende Wohnzimmer) den nötigen Halt geben.

Das nasse Wunder von Hannover

Dann ist da noch die Sache mit dem Regen. Früher war ein Stollenreifen auf nassem Asphalt in etwa so vertrauenserweckend wie ein Gebrauchtwagenhändler mit Sonnenbrille. Continental hat nun eine Substanz namens „RainGrip“ hineingerührt. Das Resultat? Der Reifen haftet auf nasser Straße fast so hartnäckig wie ein hartgesottener Gerichtsvollzieher an einer offenen Forderung.

Im Staub der Welt

In Portugal durften Testfahrer die neuen Prachtstücke durch den Matsch jagen. Das Urteil fällt so sachlich aus, wie es ein deutscher Oberlehrer nicht besser formulieren könnte:

Im Gelände: Der Reifen krallt sich in den Schotter wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring. Selbst wenn das Heck einmal ausbricht, tut es das mit einer derartigen Vorhersehbarkeit und Eleganz, dass man fast geneigt ist, dem Reifen für die rechtzeitige Warnung ein Dankesschreiben aufzusetzen.

Auf der Straße: Er rollt so rund und geschmeidig, dass man glatt vergessen könnte, dass man eigentlich auf groben Stollen unterwegs ist. Er bietet Schräglagen an, die man normalerweise nur erreicht, wenn man die Schwerkraft höflich um eine Ausnahme bittet.

Das abschließende Urteil

Der TKC 80² ist das perfekte Werkzeug für den modernen Abenteurer. Er verspricht fünfzehn Prozent mehr Laufleistung – ein Zeitraum, in dem manch einer schon die dritte Diät abgebrochen oder sein viertes Startup gegründet hat.

Kurzum: Man hat eine Legende genommen, sie einmal kräftig durchgeschüttelt, sie leiser, stärker und langlebiger gemacht und sie wieder auf die Piste geschickt. Wer also vorhat, die Welt zu umrunden – oder zumindest so zu tun, als ob –, kommt an diesem Stück Gummi nicht vorbei. Es ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, und das Beste daran ist: Man muss kein Fachmann sein, um zu merken, dass es funktioniert. Man muss sich nur draufsetzen und losfahren.

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