Jeder hat sie schon erlebt, die Wehmut, und beim Autor war es wieder der Fall, als BMW Österreich eine BMW S 1000 RR als Testmotorrad zur Verfügung stellte. Der Testzeitraum war festgelegt und die Tage, bis ich die S 1000 RR wieder abgeben musste, wurden immer kürzer und dann kam die Wehmut in mir auf.
Ein Gefühl, dass manche eventuell in anderen Situationen erleben, zum Beispiel der wunderschöne Urlaub der bald vorbei ist, 4 Tage noch, dann nur mehr 3 Tage, 2 Tage, der letzte Tag… dieses Gefühl, das Schöne ist bald vorbei, wer kennt sowas nicht, und so zählte ich die verbleibenden Tage, bis ich die BMW S 1000 RR wieder abgeben musste. Es war für mich ein trauriger Tag, obwohl die Sonne schien und endlich der Sommer seine ersten Zeichen setzte.
Aber eigentlich hat der Start gar nicht so gut begonnen, denn es gab einen fliegenden Wechsel, die BMW R12 nineT wurde abgegeben (Testbericht auf Motorradreporter.com) und die S 1000 RR übernommen und die beiden Motorräder haben so unterschiedliche Charaktere, wie es nicht gegensätzlicher sein könnte.
Vom 1200er Boxer mit 109 PS auf den 1000er Vierzylinder mit 210PS. Vom gutmütigen Cafe Racer auf das performante Superbike. Auf den ersten Metern hatte ich schon meine Zweifel, verdammt, ich bin schon zu alt für sowas. Die Zweifel wurden größer, als ich bei der ersten Ampel diese gar nicht sah, denn ich konnte meinen Kopf aufgrund der megasportlichen Sitzposition gar nicht weiter hochheben, um zu erkennen, was die Ampel anzeigte.
Doch schon nach den ersten Fahrkilometer zog mich die S 1000 RR in ihren Bann:
der heisere, fast schon räudige Sound des Vierzylinders, der ab 5000 Upm tief in meine Seele fauchte und beim Fußvolk am Bürgersteig Verrenkungen der Halswirbelsäule auslöste, ähnlich wie die Untoten bei Walking Dead, wenn sie einen Lebendigen witterten
die Beschleunigung (Könner schaffen 0 auf 100 in 3,2 Sekunden) die meinen primären somatosensorischen Kortex im Großhirn zum Leuchten brachte
das Wissen, dass Du mit der S 1000 RR die Macht auf der Straße bist und mein Selbstwertgefühl ins schiere Unendliche wachsen ließ.
Wenn man sich am Vorabend schon darauf freut, am nächsten Tag mit der S 1000 RR nur in die Arbeit zu fahren, dann kann man sich sicher sein, die perfekte Wahl getroffen zu haben, und das Schöne daran, die Glückshormone werden zweimal gebildet, einmal durch die Vorfreude und ein zweites Mal beim Fahrerlebnis selbst.
Einst teilte Moses das Meer, heute teilt die BMW S 1000 RR die Fahrzeugkolonnen:
Das Fahrerlebnis wird durch eine Vielzahl an elektronischen Helferlein fast unbemerkt unterstützt, so dass es schon fast ein Kinderspiel ist, mit diesem Superbike unterwegs zu sein, denn das elektronische Fahrwerk passt sich innerhalb von Millisekunden an die jeweilige Situation an, die Traction Control bringt die Leistung sicher auf die Straße, der Brake Slide Assist hilft dir bei Powerdrifts, und das Race-ABS beim rechtzeitigen Stehenbleiben. Beheizte Griffe wärmen die Finger, wenn es am Morgen noch kalt ist und der Tempomat erlaubt dir ein bequemes Cruisen bei weiteren Strecken auf der Autobahn.
Aber man kann mit der S 1000 RR auch sehr gut im innerstädtischen Stopp&Go bzw. Stau fahren, denn der aggressive Frontlook, bedingt durch die vorderen Flügeln und der ähnlich den Schlitzpupillen bei Katzen oder Reptilien geformten vorderen Lichtern, öffnet in sehr vielen Fällen die Spurgasse der Fahrzeugkolonne.
Die Autos und auch andere Motorräder fahren zur Seite, wenn sie die S 1000 RR im Rückspiegel kommen sehen. Selten habe ich diese Demut der anderen Verkehrsteilnehmer erlebt. Auch wenn man sich nicht im Detail auskennt, jeder weiß beim Anblick dieses Motorrads, hier kommt etwas Besonders, etwas Spezielles, und anders als bei teuren Autos, gibt es scheinbar keinen Neid, sondern eher Anerkennung, ähnlich wie bei den Rittern im Mittelalter, wenn diese nach ihrem Kreuzzug wieder heimkehrten und das Volk sie verehrte. Es wird Platz gemacht, es wird anerkennend gegrüßt, die Kinder winken aus dem Kinderwagen mit leuchtenden Augen und Fußgänger bleiben stehen und begutachten die BMW, wenn man diese auf der Straße parkt.
Die Konditionen
sind leider wie so oft im Leben nicht gerade ein Schnäppchen. Die großartigen Dinge, die Spaß machen, kosten auch immer Geld. Der Basispreis der S 1000 RR beginnt bei ca. EUR 27.000.-, wobei meine persönliche Konfiguration bei EUR 37.000.- endet und da habe ich schon Abstriche gemacht, wie z.B. keine Carbonräder, aber sonst ist das Wesentliche und wichtige mit dabei. Auch eine Garantieverlängerung und das Service für die nächsten 3 Jahre.
BMW Österreich bietet momentan eine sehr günstige Finanzierung, mit Anzahlung auf 3 Jahre und akzeptablen Restwert fährt man schon ab EUR 149.- pro Monat so eine S 1000 RR, natürlich in der Basisausstattung. Meine Familie macht sich mittlerweile schon Sorgen, ob ich die Urlaube der nächsten Jahre streiche und mich zum BMW Händler begebe, um mir so ein Geschoss zu holen und Ja, momentan kämpfen der Engel und der Teufel auf jeder Schulterseite gegeneinander…
Fazit:
Die BMW S1000 RR ist das Fahrzeug von BMW, welches meine größten Emotionen weckt und schon fast Suchtpotential hat.
Trotz sportlicher Sitzposition und 210PS fährt es sich selbst im Stadtverkehr kommod. Der Vierzylinder braucht Drehzahl und diese verbindet die Leistungsentfaltung gepaart mit einem tollen Sound, aber man kann auch untertourig dahin rollen, das Fahrwerk und die elektronischen Helferlein geben unglaubliches Vertrauen und Komforterweiterungen wie HSC, Heizgriffe und Tempomat verwandeln dieses Sportgerät schon fast in ein Touringmotorrad oder sogar Daily Driver, wenn man es sich leisten kann bzw. leisten will. Wer es weniger sportlich möchte, es gibt auch die XR1000 mit dem gleichen Motor und etwas angepasster Leistungsentfaltung.