Vom 29. September bis 3. Oktober 2026 wurde die traditionsreiche Motorradstadt Zschopau zum internationalen Zentrum des klassischen Endurosports.
Mehr als 400 Teilnehmer aus rund 20 Nationen stellten sich bei der FIM Enduro Vintage Trophy den anspruchsvollen Etappen durch das Erzgebirge.
Mitten in diesem außergewöhnlichen Starterfeld: TEAM KTM HUSQVARNA GASGAS WALZER Teamchef Berni Walzer sowie seine beiden Neumarkter Enduro-Kollegen Johann und Christian Kaiser, die gemeinsam das österreichische Trophy-Nationalteam bildeten.
Allein diese Konstellation war einzigartig. Drei Fahrer aus demselben Ort vertraten Österreich bei einer offiziellen FIM-Nationenwertung.
Was als lang gehegter Traum dreier Freunde begann, entwickelte sich zu einem der größten internationalen Erfolge ihrer Laufbahn und zu einem historischen Ergebnis für den österreichischen Endurosport.
Das sportliche Niveau in Zschopau war enorm.
Mit Tullio Pellegrinelli und Giorgio Grasso standen zwei ehemalige Enduro-Weltmeister am Start.
Hinzu kamen der vierfache Europameister und Six-Days-Trophy-Sieger Alessandro Gritti, DDR-Endurolegende Harald Sturm, der vierfache AMA Grand National Enduro Champion Terry Cunningham, ISDE-Dauerbrenner Fred Hoess, Deutschlands früherer Enduro-Vizeweltmeister Bert von Zitzewitz sowie zahlreiche weitere Europameister, nationale Titelträger und ehemalige Trophy-Sieger.
Die österreichischen Piloten trafen somit nicht einfach auf ambitionierte Klassikfahrer, sondern auf einige der größten Namen der internationalen Enduro-Geschichte.
Gefahren wurde ausschließlich auf historischen Motorrädern bis Baujahr 1983. Johann Kaiser startete in der Klasse A3 auf einer Maico 470 Zweitakt bis Baujahr 1975, Christian Kaiser pilotierte in der Klasse C3 eine Husqvarna 347 und Berni Walzer setzte als KTM-Händler standesgemäß auf eine KTM GS 400 Zweitakt aus dem Jahr 1978.
Alle drei Motorräder waren im Vorfeld mit großem Aufwand aufgebaut und für die mehrtägige Belastung vorbereitet worden.
Trotzdem begann für Berni Walzer bereits bei der Beschleunigungsprüfung das technische Dilemma.
Nachdem er mit dem Fuß an den Schalthebel gekommen war, sprang der Gang heraus, der Motor überdrehte und die Zylinderfußdichtung wurde beschädigt.
Fortan war die KTM im unteren Drehzahlbereich nur noch schwer fahrbar.
Am dritten Tag löste sich im Wald zusätzlich die Betätigungsstange der Hinterradbremse.
Mit einem Draht, den ihm ein französischer Betreuer zur Verfügung stellte, konnte Walzer den Defekt direkt auf der Strecke beheben.
Ein starkes Beispiel für die außergewöhnliche Kameradschaft, die den internationalen Endurosport bis heute prägt.
Auch Johann und Christian Kaiser blieben von technischen Problemen nicht verschont.
An Christians Husqvarna löste sich eine Verschlussschraube am Kurbelgehäuse, während Johann einen Defekt an der Kupplung seiner Maico notdürftig reparieren musste.
Besonders dramatisch wurde es am Freitag.
Im nur 15 Minuten dauernden Arbeitsraum musste Berni Walzer an seiner KTM Seitendeckel, Sitzbank und Auspuff demontieren, gelockerte Zylinderstehbolzen nachziehen, die beschädigte Stelle abdichten und das Motorrad wieder vollständig zusammenbauen.
Da laut Reglement ausschließlich die Fahrer selbst an ihren Maschinen arbeiten durften, wurde diese Rettungsaktion zu einer technischen und sportlichen Meisterleistung.
Nach dem dritten Platz in der Auftaktprüfung begann am zweiten Fahrtag der eigentliche Kampf im schweren Gelände rund um Zschopau.
Rund 160 Kilometer, anspruchsvolle Waldpassagen und sechs gezeitete Sonderprüfungen verlangten den Fahrern und ihren historischen Motorrädern alles ab.
Das österreichische Trio blieb schnell, kontrolliert und nahezu fehlerfrei.
Noch am selben Abend verbesserten sich Walzer und die Kaiser-Brüder auf den sensationellen zweiten Rang der Nationenwertung, eine Position, die sie bis zum Ende nicht mehr aus der Hand geben sollten.
Die finale Entscheidung fiel beim Abschlussmotocross vor rund 16.000 begeisterten Zuschauern.
Berni Walzer vertraute dabei auf seine jahrzehntelange Erfahrung und montierte im letzten Arbeitsraum noch einen neuen Michelin Six Days Medium.
Diese Entscheidung sollte sich als goldrichtig erweisen.
Als Führender der Klasse B4 durfte er seinen Startplatz zuerst wählen, erwischte einen perfekten Start und setzte sich trotz eines kompromisslosen Angriffs des schnellen Deutschen Stefan Hau an die Spitze.
Walzer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, konterte taktisch clever und gab die Führung nicht mehr ab.
Nach sechs Runden feierte er mit rund 15 Sekunden Vorsprung einen überlegenen Start-Ziel-Sieg.
Auch Johann Kaiser lieferte im Abschlussmotocross mit Rang zwei eine absolute Spitzenleistung ab.
Christian Kaiser hielt lange Zeit direkt am Hinterrad des ehemaligen Weltmeisters Tullio Pellegrinelli, ehe er zwei Runden vor Schluss seine Hinterradbremse verlor.
Trotz dieses massiven Handicaps brachte er seine Husqvarna sicher ins Ziel und verteidigte sein herausragendes Gesamtergebnis.
Die Schlussbilanz war historisch.
Berni Walzer gewann die Klasse B4 vor dem tschechischen Europameister Dušan Kotrla und US-Legende Terry Cunningham.
Christian Kaiser wurde unmittelbar hinter Weltmeister Tullio Pellegrinelli Zweiter der Klasse C3.
Johann Kaiser komplettierte als Dritter der Klasse A3 das österreichische Triple-Podium.
Damit standen alle drei Fahrer des österreichischen Trophy-Teams in ihren jeweiligen Klassen unter den besten Drei.
In der Nationenwertung mussten sich Berni Walzer, Johann Kaiser und Christian Kaiser lediglich dem starken US-Team mit Fred Hoess, Billy Burns und Terry Cunningham geschlagen geben.
Mit mehr als zwei Minuten Vorsprung auf die mit mehreren Weltmeistern besetzte italienische Auswahl sicherten sich die drei Neumarkter aus eigener Kraft den zweiten Gesamtrang.
Österreich ist damit FIM Enduro Vintage Trophy Vizeweltmeister 2026!
Doch auch die übrigen österreichischen Fahrer präsentierten sich in Zschopau stark.
Insgesamt war Österreich mit 13 Piloten vertreten.
Das Enduro Senioren AUT Silver Vase Team 2 mit Emanuel Strolz, Roland Ennsmann und Günter Schopohl zeigte eine bemerkenswerte Aufholjagd.
Vom 17. Platz nach dem Auftakt arbeitete sich das Trio über Rang zehn bis auf den ausgezeichneten siebenten Gesamtrang nach vorne.
Roland Ennsmann erreichte in der Klasse B3 den starken sechsten Platz, Emanuel Strolz wurde Siebenter der Klasse C3 und Günter Schopohl belegte Rang 17 in der Klasse C2.
Auch das Enduro Senioren AUT Silver Vase Team 1 mit Peter Pernusch, Anton Reisenhofer und Jürgen Wurzer steigerte sich im Verlauf der Veranstaltung kontinuierlich.
Nach Rang 21 zum Auftakt kämpfte sich die Mannschaft zunächst auf Platz 15 und schließlich auf den hervorragenden elften Endrang nach vorne.
Peter Pernusch beendete die Klasse A3 auf Platz elf, Anton Reisenhofer wurde 20. in der Klasse B3 und Jürgen Wurzer erreichte in der Klasse C2 den 39. Rang.
Für das Enduro Senioren AUT Silver Vase Team 3 mit Ilja Steil, Hubert Kemeter und Werner P. Rabl verlief die Veranstaltung aufgrund von technischen Schwierigkeiten, hohen Zeitstrafen und Verletzungspech besonders herausfordernd.
Ilja Steil erkämpfte dennoch den respektablen 19. Platz in der Klasse C3, Hubert Kemeter wurde 39. der Klasse B3.
Werner P. Rabl musste die Veranstaltung nach einer erlittenen Muskelverletzung vorzeitig beenden.
In der Mannschaftswertung wurde das Team auf Rang 41 geführt.
Als zusätzlicher österreichischer Einzelfahrer brachte Reinhold Gramlich die schwierige Veranstaltung erfolgreich zu Ende und belegte Platz 34 in der stark besetzten Klasse B3.
Damit setzte nicht nur das Trophy-Nationalteam, sondern die gesamte österreichische Delegation ein starkes Ausrufezeichen.
Zahlreiche technische Rückschläge mussten unter Zeitdruck und oftmals direkt auf der Strecke bewältigt werden.
Gerade bei historischen Motorrädern entscheidet neben Geschwindigkeit und Kondition auch das technische Verständnis darüber, ob ein Fahrer nach vier harten Tagen überhaupt das Ziel erreicht.
Die österreichischen Piloten bewiesen in allen Bereichen enorme Kompetenz, Durchhaltevermögen und echten Enduro-Kampfgeist.
Für Berni Walzer war der Vizeweltmeistertitel nach Jahrzehnten im Endurosport einer der emotionalsten Momente seiner Karriere.
Gemeinsam mit zwei engen Freunden aus Neumarkt, gegen einige der größten Namen der internationalen Enduro-Geschichte und trotz erheblicher technischer Probleme einen derartigen Erfolg zu erringen, ist eine Leistung für die Ewigkeit.
Die Anerkennung der amerikanischen und italienischen Enduro-Legenden, die eindrucksvolle Siegerehrung und der herzliche Empfang bei der Heimkehr machten dieses historische Erlebnis endgültig unvergesslich.
Quelle: Novak
MR/AL