Würde es eine Neuauflage des Films "Transformers" im Jahr 2026 geben, dann müsste die neue BMW R 1300R eindeutig eine Rolle als Transformer Autobot erhalten, so wirkt die wuchtige Optik auf mich im ersten Eindruck.
Breite Schultern, etwas tiefer und in die Front integrierte LED-Lichter als Kopf, der Doppelauspuff als Granatwerfer nach der Transformation, während das Heck schlank und sportlich das Motorrad abschließt.
Die BMW R 1300R schaut so aus, wie ein modernes Naked Bike auszusehen hat, aber Moment, da hängt ja immer noch der aktuelle 1300er Boxer drunter... und es gibt ja auch eine S1000R, wozu dann die R 1300R?!
Ganz einfach erklärt, der Boxermotor hat eben ganz andere Charaktereigenschaften als ein Vierzylinder und eine große Fangemeinde. Druck von unten, der 1300er Boxer sagt Ja.
Überraschung Nr.1
Nach der Übernahme bei BMW Wien Heiligenstadt sticht mir sofort etwas ins Auge. Da fehlt der Kupplungshebel. Ein für mich sehr ungewohnter Anblick, an den ich mich mindestens 2 Tage nicht gewöhnen konnte, da ist einfach kein Hebel am Lenker.
Weil die Testversion die neue Automatik von BMW integriert hat. ASA nennt das BMW, "Automatisierter Schalt-Assistent", kostet als Paketupgrade zum Dynamik-Paket noch EUR 1015,- extra und scheint für sehr viele Kunden bei BMW der "Gamechanger" zu sein. Angeblich kann man damit noch sportlicher die 145PS und 149NM bewegen und blitzschnelle nahtlose Schaltvorgänge erlauben es sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Für mich persönlich wäre das ASA jedoch nichts, aufgewachsen mit 2-Takt Mopeds bin ich ein Kupplungsmensch. Abgesehen davon hatte ich im Stadtverkehr selten den richtigen Gang im Automatikmodus. Dieser schaltet meiner Meinung nach sehr früh in die nächsten Gänge und wenn man dann kurzfristig den Druck des Boxers mit 149NM benötigt, um den Schläfer im Auto vor einem rasch in der Lücke der Nebenspur zu überholen, ja, dann hilft es nicht im 5.Gang bei 40 km/h zu sein. Daher beschloss ich fort an manuell zu schalten. Benötigt am Anfang etwas Überwindung, an der Ampel den ersten Gang ohne Kupplung einzulegen, aber funktioniert.
Überraschung Nr.2
Dieses muskulöse und schwer wirkende Bike fährt sich ganz einfach, es ist unerwartet wendig und agil. Flink wedelt man damit zwischen den Autos hin und her, legt sie in der Kurve einfach um und beschleunigt mit dem Boxerdruck aus dem Keller in den Kurvenausgang - wie ein Bodybuilder, der Ballett tanzt - denke ich mir und merke, dieses Motorrad verwirrt mich, denn es ist ganz anders als erwartet.
BMW-Komfort
Erwartungsgemäß bietet BMW einige Schmankerln beim Thema Komfort, Sitz und Griffheizung, dynamische Fahrwerkseinstellungen, 5 Fahrmodi, Kurvenlicht, Standbremse, und viele mehr. Besonders hervorheben möchte ich den Abstandsregelautomat, der sehr gut funktioniert und einfach aktivierbar ist. BMW bietet eben schon eine Qualität und die gibt es eben nicht umsonst. In meiner Konfiguration (einmal fast alles, das Tourenpaket und das ASA erspare ich mir jedoch) komme ich auf EUR 28.000,-, der Startpreis ist um die EUR 19.000,-
Mein Fazit:
Die BMW R 1300R ist ein modernes Naked Bike mit dem aktuellen 1300er Boxer, der von unten gigantisch anschiebt. Von vorne wirkt das Motorrad bullig, aber es fährt sich spielerisch wie eine 750er. Das ASA ist leider nichts für mich, aber nach einer kurzen nicht repräsentativen Umfrage im Kollegenkreis, gehöre ich scheinbar einer aussterbenden Rasse an, wer bitte fährt heute noch mit Kupplung?! Und ich hatte noch ein Problem mit einer einschlafenden Hand. Das lag sicher am Zusammenspiel der nicht persönlich adaptierten Lenker / Sitzgeometrie für meine Körpergröße und natürlich hat es etwas mit dem Boxermotor zu tun, aber bei der R12nineT hatte ich keine Probleme und bei der GS1300 auch nicht.
Wer aus der Masse herausstechen will, ein muskulös wirkendes modernes Naked Bike fahren möchte, der ist mit der BMW R 1300R auf alle Fälle bestens bedient.