KTM Freeride-E 27 PS 2027 vs. Stark Varg EX-80 PS

Kein Vergleich, sondern die direkte Gegenüberstellung zweier der modernsten Strombikes am internationalen Markt, wo die Unterschiede gerade für den Einsatz rund um das kommende Red Bull Erzbergrodeo kaum größer sein könnten. Dort wird auch Graham Jarvis mit seiner Jarv-E versuchen, die Bühne der Strombikes zu stürmen.

1. Mai 2026 – Bohrerschmiede im Rahmen der Erzberg Offroad Touren

Vor Ort waren unter anderem Graham Jarvis, Manuel Lettenbichler, Ossi Reisinger und die Erzbergrodeo-Motorradreporter Crew mit der neuen KTM Freeride-E 2027, direkt von KTM Geschäftsführer Chris Schipper, erstmals exklusiv für den Einsatz im Rahmen des Red Bull Erzbergrodeo zur Verfügung gestellt. Geplant waren Prolog- und Checkpoint-Besichtigung, mitunter auch Extreme-Tests.

Bei 4 Grad Außentemperatur und regnerischem Wetter wurde die KTM Freeride E mit 90 % Batterieladezustand vor Ort angeliefert und von MR übernommen.

Mani Lettenbichler #304 vor Ort, hi Karl, fein Dich zu sehen, ich bin mit der Freeriede-E für die Fotos gefahren.

Meine Frage an Mani:

Könntest Du mit der Freeride E finishen?
„Nein, aber dafür ist sie ja nicht gemacht.“
Kommst Du mit der Freeride E die Wasserleitung hoch zu den Checkpoints?
„Ja, das ist ohne Weiteres möglich.“
„Wenn ich eine Freeride E bekomme, könnte ich mir damit alle Checkpoints vom Red Bull Erzbergrodeo anschauen.“
Was hältst Du davon?
„Das perfekte Freizeit-, Fun- und Trainings-Strombike, aber auch für den harten Checkpoint-Streckenbau-Einsatz gut geeignet – bitte aber nicht zum Rennfahren!“


Graham Jarvis – ebenfalls bei den Erzberg Touren vor Ort, gleich an der Freeride-E  interessiert.

Meine Frage an Graham:

„Möchtest Du mit der Freeride E kurz fahren?“
„Ja gerne, gib her … ohh nein, doch nicht – es sind Fotografen hier!“
„Kannst Du mich mal mit deine Jarv-E kurz mal fahren lassen bitte?“
„Ja, hier gerne.“
„Bitte erklär mir die fünf Modi.“
„Der fünfte Modus ist scharf und der Powershift am Hinterrad-Handbremshebel ist gewöhnungsbedürftig, alles andere normal.“
„Wie viel Kilo hat die Jarv-E?“
„110 mit großem Akku, dann etwas mehr. Drei Stunden kann ich damit gut trainieren.“
„Welche Taktik hast Du beim Prolog?“
Graham lächelt und sagt: „Ganz vorne wird sich nicht ausgehen, aber dann …“

Graham Jarvis

Ossi Reisinger:

„Möchtest Du die Freeride E probieren?“
„Ja, sehr gerne. Dann bei den Checkpoints und am Prolog später.“
„Was sagst Du grundsätzlich zur Freeride E?“
„Sieht gut und schnittig aus. Sicher ein klasse Trainingsbike und Extreme-Enduro-Funbike.“

Ossi Reisinger auf Stark


Die Erzberg Touren Begrüßung wurde somit freundlich abgeschlossen.

Ossi Reisinger auf der Stark Varg EX, Lukas Fernbach auf der KTM 690, Sammy Luis auf der GasGas MX 250 sowie Stark Varg „Rare Clutch“-Erfinder und Freizeitfahrer Günther Pichler mit Stark Varg EX fahren mit, um die Checkpoints des Red Bull Erzbergrodeo sowie Teile der Prologstrecke zu erkunden.

KTM Freeride-E erster Start in Betriebnahmer

Die Freeride E war mit dem Umdrehen des Zündschlüssels und zwei Knopfdrücken sofort betriebsbereit. Die 90% Batterie Ladezustand sind beruhigend.

Die Auswahl zwischen den drei Modi über den typischen KTM Mappingschalter am bereits gewohnte kleine KTM-Standarddisplay wurde sofort verstanden.

Fazit: ohne Erklärung, ohne Betriebsanleitung, puristisch einfach und mit wenigen Knopfdrücken war die Freeride-E voll einsatzbereit.

Nach den ersten Metern weg vom großen VA Erzberg Bohrerschmiede, mit Schotterparkplatz, wurde vor der 1ser Waldeinfahrt  gleich auf das 3er Mapping umgeschaltet um den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren.

Ich sag es an der Stelle nur ungern, um nicht etwas zu verbergen, das erste Eisenrohr in der Waldpassage hat an der KTM Freeride-E Schwinge nachdem ich den Lenker in führende Postion ungewollt ausgelassen habem ein ordentlichen Kratzer an der Schwinge hinterlassen, wo ich zugegeben mit weit mehr Beschädigung gerechnet hätte.
 

Jedenfalls hat sich bereits nach nur kurzer Fahrzeit mächtiges vertrauen zur Freeride-E aufgebaut, welches nur wegen der Komptenz von KTM Chris Schipper mehr als kontrolliert bewegt wurde, um nicht an vergangener Motorrad Test Zeiten zu erinnern , wo die Bikes mitunter auch sichtbar  stark gebraucht retourniert wurden.

KTM Freeride-E Motoleistung und Durchzug

Die Freeride-E fühlt sich im  bevorzugten 3er Mapping sehr sanft an, entwickelt dann ab Mitte Gasgriffstellung zur der passenden Übersetzungs bedingten  Geschwindigkeit  gut kontrollierbare und durchzugsstarke Leistungsentfaltung, wo gut an die 100 km/h auch leicht bergauf erreicht werden können

Der überraschend stabile Geradeaus Lauf der Freeride-E, wo u.a.  auch bei gut 60 km/h genug Durchzug da war, um das Vorderrad kontrolliert über die großen  Erzberg Prolog Lacken zu heben hat die Erzberg Crew begeistert.

Anzumerken: Dazu muss – wie auch beim Verbrenner – die Vorderradbremse zum kurzen Eintauchen der Gabel mit verwendet werden, wo durch das schnelle Ausfedern der Gabel, das Vorderrad leichter wird, um das kontrollierten Anheben zusätzlich zu unterstützten.

Checkpoint-Visite Red Bull Erzbergrodeo 2026

Nach den ersten Wald Passagen, den steinigen und regennassen Auffahrten und den darauf folgenden breiten Erzbergrodeo-Prologpisten, wo Durchzug und Leistung positiv überrascht haben, war schon vor Checkpoint 1 bereits klar: Die Freeride E kann deutlich mehr, als man einem Hobby-Endurofahrer grundsätzlich zutrauen möchte.

Die für uns ebenfalls neue Freeride-E-Fahrwerksgeometrie mit der flachen, niedrigeren Sitzposition und dem ebenso flachen Lenker erfordert eine weit nach hinten versetzte Fahrerposition, um das Vorderrad über steinigen und rutschigen Untergrund kontrolliert zu entlasten um spur stabil führen zu können. Dazu ist zu erwähnen, dass die Hinterrad Bremse links am Lenker anstatt des Kupplungshebels permanent zur Feindosierung beim Anfahren und Vorderrad heben mit genutzt werden will.

Überraschend ist der Grip im unwegsamen Gelände.


Wie Letti bereits bemerkt hat, kann die Freeride-E im Extreme-Enduro-Bereich, auch im schwersten unwegsamen Endurogelände – überall gut mithalten.

Die Wasserleitung unmittelbar vor Checkpoint 1 war dann ebenfalls ein besonderes Erlebnis. Die Anfahrt erfordert die bereits erwähnte, weit nach hinten verlagerte, am Motorrad stehende Position, um den nötigen Schwung für die Auffahrt mitzunehmen. Mit der Aussage von Mani Lettenbichler, dass er mit der KTM Freeride E die Wasserleitung bis ganz nach oben zu Checkpoint 1 schaffen kann, hatten wir nach dem ersten, zu langsamen Versuch und nur rund zwei Dritteln der Wegstrecke keine weiteren Ambitionen, die Wasserleitung weiter zu erklimmen.

Passage Zumpferlwald vor Red Bull Erzbergrodeo Checkpoint 2

Zu sehen, wie spielerisch Stark-Varg-Fahrer Ossi Reisinger mit der KTM Freeride E die rutschige, steile, steinige Passage hinauf in den Wald fährt, dort verschwindet und danach lächelnd entspannt wieder zurück kommt, war beeindruckend. Anzumerken: Wir hatten ihn gebeten, das „schnell mal“ für uns zu probieren.

Prolog-Test mit an die 100 km/h bergauf mit Ossi Reisinger auf Stark Varg EX (5x Red Bull Erzbergrodeo Prolog Sieger auf Husqvarna 450)

Die ersten 200m vom Start weg kann die KTM Freeride E mit ihren 27 PS gut mithalten, ab dann ist Stark Varg EX mit 80 PS vorne weg.

Jedoch beim Anbremsen der schnellen Prolog Spitzkehren, ist die Freeriede E wieder voll dabei, dazu auch beim rausfahren aus der Kurve, bis die Stark Varg wieder in das erweiterte Leistungsfenster kommt, wo die bis zu 80 PS die gemessenen 135 km/h erreicht wurden.

Die Freeride-E punktet mit einem unglaublich stabilen Geradeauslauf, der bei den Vollgasfahrten am Prolog, als auch mit einem perfekt Verwaltbarer Performenz beim Anbremsen und beim heraus Beschleungigen aus der Spitzkehre  bis zu dem Zeitpunkt wo Leistung und Geschwindigleit sich mit der Stark Varg EX unterscheiden.

Fazit: Die Motorleistung mit dem 3er Mapping aus den spitz angefahrenen Erzbergrodeo-Prologkurven ist perfekt zu dosieren, wobei sich die 80-PS-Stark Varg EX erst ab rund 60 km/h leitungsbedingt klar absetzen kann.

Mit der Freeride E kann der Prolog sicher nicht gewonnen werden, bei klassischen Enduro-Spezialtests ist jedoch die Platzierung weit vorne, mitunter auch in Podiumsnähe, durchaus realistisch – sofern ein entsprechend qualifizierter Fahrer wie etwa Manuel Lettenbichler am Motorrad sitzt.

Nach gut drei Stunden am Erzberg und reiner Fahrzeit von rund 1:10 Stunden waren noch 35 % Akkuleistung am Display abzulesen.

Die begleitende Stark-Varg EX Gruppe, die nicht alle Passagen absolvierte und auch Prolog-Vollgasfahrten ausgelassen hat, ist mit rund 70 % Rest Akku nicht vergleichbar . Ossi Reisinger, der mit seiner serienmäßigen Stark Varg EX am meisten und ambitioniertesten gefahren ist, mit 8 % Akkuleistung auf sein zweites Bike umgestigen, um das Prolog-Training weiter fortzusetzen.

Zu erwähnen ist, dass sowohl KTM Freeride E als auch Stark Varg EX beim Red Bull Erzbergrodeo 2026 den Tankpunkt zum Akkutausch erreichen könnten.

Wobei – wie bereits erwähnt – die KTM Freeride E nicht für den Bewerb Red Bull Erzbergrodeo gebaut wurde und daher auch nicht dafür ausgelegt ist.

Die Freeride E 2027 ist für uns das bislang puristisch einfachste zu bedienende Offroad Strom-Endurobike am Markt und im Verhältnis Gewicht, Leistung und Preis von unter 10.000 Euro wohl auch die beste Auswahl für mitunter auch ambitionierte Endurofahrer. Der beste Kompromisse um Enduro, Sport, Fun, Freizeit und – wenn gewünscht auch Straßentauglichkeit zum Thema gemacht wird.

KTM Freeride E 2027 – der Zweck heiligt die Mittel

Die KTM Freeride E 2027 könnte man durchaus als „Checkpoint-Charly-Bike“ für das Red Bull Erzbergrodeo bezeichnen – der gelungene Kompromiss zwischen klassischer Verbrenner-Enduro und moderner Strombike-Offroad-Performance.

Während die Stark Varg EX als kompromissloses Racing-Strombike für ambitionierte Offroad-Piloten – vergleichbar mit einer KTM 450 EXC-F – klar auf maximale Performance ausgelegt ist, setzt die KTM Freeride E 2027 bewusst auf unkomplizierten Fahrspaß, leichte Beherrschbarkeit und Freizeitnutzen.

Nicht besser oder schlechter – sondern eine Frage des Einsatzzwecks: Wer leise, einfach und ohne großen Aufwand Enduro fahren möchte, um etwa die Checkpoints am Erzberg, Single Trails oder Teile der Prologstrecke zu erkunden – gegebenenfalls auch mit entspannter Heimfahrt auf der Straße – dürfte mit der KTM Freeride E 2027 sehr gut aufgehoben sein.

Die E-Offroad-Szene hat längst berechtigt ihren Platz gefunden – der Einsatz entscheidet über das richtige Bike.

Die Überlegung, diesen KTM Freeride Testbericht noch weiter und detaillierter auszuführen, erscheint aus unserer Sicht nicht sinnvoll. So wurden bereits zwei KTM Freeride E für den Red Bull Erzbergrodeo Fuhrpark angefordert, um nicht nur zuhause im nahen Wald – selbstverständlich mit Einverständnis des Jägers, dem ebenfalls eine Freeride E zum Probefahren zugesichert wurde – erste Erfahrungen zu sammeln, sondern diese künftig auch als Bestandteil beim Red Bull Erzbergrodeo Streckenbau, für effektives Technik- und Skilltraining im Senninger Lager sowie in Rumänien für Halbtages-Ausfahrten mit ambitionierten Gästen einzusetzen.

 

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