Ducati gibt Lebenszeichen
Kaum wechselte die Weltmeisterschaft auf den Kernkontinent, meldete sich Ducati eindrucksvoll zurück. Álex Márquez wiederholte in Jerez seinen Vorjahressieg, Fabio Di Giannantonio wurde Dritter, im Sprint hatte man über einen Dreifachtriumph gejubelt. ServusTV-Experte Alex Hofmann: „Sie waren ja nie komplett weg und in Übersee kam auch einiges zusammen: neue Rennstrecken, ein nicht zu hundert Prozent fitter Marc Márquez und technisch gab es Uneinigkeit, in welche Richtung sie gehen wollen. Das Grundpotenzial des Motorrades war uns aber bekannt.“
Um ein Ende der unfassbaren Dominanz der letzten Jahre vorherzusehen, habe ohnehin ein Blick die Geschichte gereicht. „Irgendwann geht es wieder bergab. Trotzdem haben sie sich ein paar Problemchen in Entwicklungsfragen selbst geschaffen und es fehlt der Häuptling in voller Blüte. Ich glaube, dass Marcs Schmerzen größer waren als kommuniziert und er so abgelöscht ist, wie lange nicht. Er kann das Motorrad nicht mehr dominieren, es fährt mehr mit ihm. Man sieht es an der Energie. Normalerweise hat Marc eine unglaublich positive und zuversichtliche Ausstrahlung – komme, was wolle. Momentan fällt ihm das Lächeln schwer.“
WM-Titel nur über Noale
Insofern sei der Jerez-Test unmittelbar nach dem Rennsonntag nicht nur für Márquez und Ducati wichtig gewesen. „Schon in Le Mans wird man erste Ergebnisse sehen“, ist Hofmann überzeugt. „Solche Testtage, in denen der Techniker etwas probieren und der Fahrer ohne den Stress eines Grand-Prix-Wochenendes in Ruhe an sich arbeiten kann, sind sehr selten geworden.“ Die in den Pays de la Loire in der Regel labilen Wetterlagen, die ein Durchpowern verhindern, dürften dem neunfachen Weltmeister jedenfalls entgegenkommen. „Obwohl er nicht nicht ganz anpacken kann, würde Regen Marc die Chance geben, über sein Gefühl und die Sensorik ein gutes Ergebnis zu holen.“
Vor allem mit Blick in die Breite sei jedoch Aprilia weiterhin der Hersteller des Moments „Sie haben große Fahrer, kleine Fahrer, italienische, spanische, japanische. Ein super Querschnitt, alle kommen mit dem Motorrad zurecht.“ Der ServusTV-Experte mit langer Aprilia-Vergangenheit geht sogar weiter: „Wir können jetzt schon sagen, dass der WM-Titel nur über Noale geht.“ Aber: „Das heißt nicht, dass Borgo Panigale nicht mehr dabei ist. Es ist wie bei David gegen Goliath: Wenn der Kleine den Großen über das Jahr herausfordern kann, finde ich das A sehr sympathisch und B hochverdient. Die Aprilia in dieser Form, dieser Konstanz, dieser Breite und mit Marco Bezzecchi und Jorge Martín im Sattel, muss man erst mal schlagen.“
Naturgemäß würden aktuell alle vom italienischen WM-Leader reden, der nach seinem Übersee-Hattrick einen zweiten Rang zum Europa-Auftakt nachlegte. „Doch Achtung, Achtung“, wirft Hofmann ein. „Der Martinator ist eine harte Nuss und wir wissen, dass er in dieser Kategorie Weltmeister werden kann. Selbst wenn es, wie damals bei Pramac Ducati, wieder so aussieht, als ob er nächstes Jahr woanders fährt. Der weiß diese Chancen zu nützen, zieht gnadenlos durch und wird gefühlt von Wochenende zu Wochenende stärker. Das wird noch eine ganz heiße Nummer zwischen den zwei Aprilias.“
Wieder Regen in Le Mans angesagt
Prognostiziert sind für das Wochenende die in Le Mans fast gewohnten mäßige Temperaturen mit leichten Schauern. Und eine nasse Fahrbahn eröffnet stets auch Möglichkeiten für Underdogs. „Dann schmeiß ich den Johann Zarco auf der Honda ran, um wie im letzten Jahr 250.000 Franzosen zu entzücken. Auch Toprak könnte auf Yamaha sein erstes Highlight setzen. Oder Jack Miller wieder glänzen. Fabio natürlich auch, er ist Franzose und Yamaha hat beim Jerez-Test einen großen Schritt gemacht.“
Einschätzungen auf rutschigem Terrain seien stets schwierig, schränkt der 64-fache MotoGP-Starter gleichzeitig ein. „Andererseits ist es auch immer sehr entertaining, weil dann Geschichten passieren, die man nicht auf dem Radar hat. Wenn es trocken bleibt, wissen wir, wer die Dominatoren sein werden. Die Aprilia scheint überall zu funktionieren. Aber Le Mans hat immer wieder gezeigt, dass nur selten normale Bedingungen herrschen.“
Rund um die Rennaction rollt ServusTV nochmals das hochemotionale Vorjahrsmärchen um Johann Zarco vor seinen erstmals anwesenden Eltern auf und rechnet die Wahrscheinlichkeit für eine neuerliche Sensation im wohl wieder nassen Le Mans vor. Weiters wird die Frage aufgeworfen, ob Ducati nach der Jerez-Gala wieder da ist. Und einen genauen Blick gibt’s auf Jonas Folger: Der den verletzten Maverick Viñales ersetzende Oberbayer feiert nach drei Jahren sein MotoGP-Comeback. Nicole Oberlechner und Gustl Auinger melden sich direkt aus der Boxengasse des Circuit Bugatti, den Kommentar aus Frankreich liefern Christian Brugger und Alex Hofmann.
Michelin Grand Prix de France bei ServusTV und ServusTV On:
Samstag (9. Mai):
10:40 Uhr: Qualifying MotoGP LIVE
11:35 Uhr: Analyse Qualifying
12:40 Uhr: Qualifying Moto3 LIVE
13:45 Uhr: Qualifying Moto2 LIVE
14:30 Uhr: Sprint MotoGP LIVE
15:25 Uhr: Analyse Sprint
Sonntag (10. Mai):
10:20 Uhr: Beginn der Live-Übertragung
11:00 Uhr: Rennen Moto3 LIVE
12:15 Uhr: Rennen Moto2 LIVE
14:00 Uhr: Rennen MotoGP LIVE
14:45 Uhr: Analyse MotoGP
Quelle: ServusTV
MR/DA