Interview von Ducati Corse General Manager Gigi Dall’Igna mit Manuel Pecino (PecinoGP) im Vorfeld des Großen Preises der Niederlande.
Strategische Neuausrichtung und technologische Dominanz bei Ducati
Anlass: Interview von Ducati Corse General Manager Gigi Dall’Igna mit Manuel Pecino (PecinoGP) im Vorfeld des Großen Preises der Niederlande.
Zusammenfassung
In einem exklusiven Interview gab Gigi Dall’Igna tiefe Einblicke in die Erfolgsstrategie von Ducati, die Gründe für die Verpflichtung von Marc Márquez ab 2025 und die aktuelle Schwächephase der japanischen Konkurrenz. Dall’Igna betont, dass sein persönlicher Ehrgeiz zwar im Privatleben herausfordernd, beruflich jedoch der Motor hinter dem Aufstieg von Ducati zur dominierenden Kraft der MotoGP sei. Trotz früherer Abwerbungsversuche (u. a. durch Honda) sieht er seine Zukunft weiterhin bei Ducati, deutet jedoch an, sich nach dem Erreichen aller Ziele langfristig auch neuen Herausforderungen widmen zu wollen.
Strategische Analyse: Warum Marc Márquez?
Die Entscheidung, Marc Márquez für das Werksteam 2025 zu verpflichten, ist rein strategischer Natur. Angesichts des aktuellen Rennformats (Sprints und Hauptrennen) ist das Risiko von Verletzungen und Punktverlusten drastisch gestiegen (beispielhaft genannt wurde Enea Bastianinis Ausfall 2023).
Risikomanagement: Ducati verfolgt das Ziel, zwei potenzielle Weltmeister im Team zu haben, um den Titel auch dann abzusichern, wenn ein Spitzenfahrer ausfällt.
Leistungsvergleich: Laut Dall’Igna ist Márquez eine „Bestie“ in Linkskurven und agiert beim Bremsen auf Augenhöhe mit Weltmeister Pecco Bagnaia.
Die Krise der japanischen Hersteller
Dall’Igna analysiert scharf das Formtief von Honda und Yamaha. Er identifiziert zwei Hauptgründe für deren Rückstand:
Unterschätzung der Konkurrenz: Die langjährige Dominanz führte zu einer „Blase“ und Arroganz gegenüber den Fortschritten der europäischen Hersteller.
Abhängigkeit von Ausnahmefahrern: Ein extrem starker Fahrer (wie Márquez bei Honda) könne strukturelle Probleme des Motorrads kaschieren und die Ingenieure „blind“ für das wahre Potenzial der Konkurrenz machen.
Technologische Highlights
Ducati sieht sich weiterhin als Innovationsführer, insbesondere bei der Aerodynamik und den Tieferlegungssystemen (Ride Height Devices).
Vorsprung durch Täuschung: Dall’Igna enthüllte amüsiert, dass die Konkurrenz zwei Jahre lang glaubte, Ducatis Speed-Vorteil läge allein am Motor, während in Wahrheit ein überlegenes Tieferlegungssystem den entscheidenden Unterschied machte.
Die Highlights auf einen Blick
Dall’Ignas Treue: Trotz Kontakt zu anderen Herstellern bleibt er bei Ducati, dem für ihn „besten Unternehmen“.
Zwei-Spitzen-Strategie: Die Verpflichtung von Márquez dient als Versicherung gegen die Unwägbarkeiten des aktuellen Reglements (Verletzungsgefahr/Sprintrennen).
Lerneffekt für Japan: Dall’Igna ist überzeugt, dass Honda und Yamaha innerhalb von 2–3 Jahren zurück an die Spitze kehren könnten, sofern sie ihre Organisation grundlegend reformieren.
Technik-Vorsprung: Ducati sieht sich bei den Tieferlegungssystemen weiterhin deutlich vor der Konkurrenz; diese habe jahrelang an der falschen Stelle nach der Ursache für Ducatis Speed gesucht.
Mentale Stärke: Trotz des enormen Drucks und schwieriger Personalentscheidungen betont Dall’Igna seine Gelassenheit („Ich schlafe nachts immer gut“).