Frauenpower im Hard Enduro: Tjaša Fifer P5 Bronze Red Bull Romaniacs

Hard Enduro gilt als eine der letzten großen Männerdomänen des Motorsports. Wer glaubt, Frauen würden hier nur mitfahren, sollte einen Blick auf die Ergebnisliste der Red Bull Romaniacs werfen. Dort findet sich Tjaša Fifer auf einem beeindruckenden fünften Gesamtrang in der Bronze-Klasse – erkämpft gegen ein internationales Starterfeld, das überwiegend aus Männern besteht.

starke Leistung Tjasa!

 

Die Red Bull Romaniacs zählen zu den härtesten Hard-Enduro-Rennen der Welt. Steile Auffahrten, endlose Waldpassagen, felsige Flussbetten und mehrere Tage am absoluten körperlichen Limit verlangen den Teilnehmern alles ab. Für Frauen ist die Herausforderung noch einmal größer – nicht, weil ihnen der Wille fehlt, sondern weil sie sich in einem Sport behaupten müssen, der seit Jahrzehnten von Männern geprägt wird.

Tjaša Fifer spricht das offen an: „Männer sind von Natur aus stärker. Deshalb müssen wir Frauen noch härter trainieren, um das auszugleichen. Unsere Vorteile liegen in Fitness, Ausdauer und oft auch in einer flüssigeren und effizienteren Fahrweise. Gegen Männer anzutreten, ist nie einfach.“

Diese Einstellung spiegelt sich auch in ihrem Ergebnis wider. Nach Platzierungen in den vergangenen Jahren setzte sich Fifer für die diesjährigen Red Bull Romaniacs ein klares Ziel: Sie wollte ihr eigenes Resultat verbessern. Angesichts eines außergewöhnlich starken Starterfeldes alles andere als selbstverständlich. Am Ende durfte sie sich über Platz fünf in der Bronze-Klasse freuen – eine Leistung, auf die sie besonders stolz ist.


Respekt muss man sich verdienen

Dass Frauen im Hard Enduro nicht immer auf Augenhöhe wahrgenommen werden, kennt Fifer aus eigener Erfahrung: „Früher war es deutlich schwieriger. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis ich mir den Respekt einiger Fahrer erarbeitet hatte.“

Heute habe sich das deutlich verändert. Gerade bei den Red Bull Romaniacs erlebe sie großen Respekt innerhalb des Fahrerfeldes. Die männlichen Konkurrenten unterstützen sie, bewundern ihre Leistungen und freuen sich ehrlich über ihre Ergebnisse.

Ein Zeichen dafür, dass im Hard Enduro letztlich nicht das Geschlecht entscheidet, sondern die Leistung auf der Strecke.


Hilfe anzunehmen gehört zum Enduro dazu

Wer Hard Enduro nur aus Videos kennt, könnte glauben, jeder kämpfe ausschließlich für sich selbst. Die Realität sieht anders aus.

Für Fifer gehört gegenseitige Unterstützung ganz selbstverständlich zum Sport: „Irgendwann kommt jeder an einen Punkt, an dem Hilfe nötig ist. Manchmal hebt man das Motorrad eines anderen Fahrers auf, manchmal hilft dir jemand. Dieser eine kleine Moment kann dein gesamtes Rennen retten.“

Gerade diese gegenseitige Kameradschaft mache den besonderen Charakter des Hard Enduro aus.


Der schwerste Moment kam kurz vor dem Ziel

Die größte Herausforderung der diesjährigen Romaniacs war für Fifer jedoch nicht nur die starke Konkurrenz. Am vorletzten Renntag stürzte sie schwer. Trotzdem stellte sie sich am nächsten Morgen erneut an den Start.

„Nach dem Sturz war der letzte Renntag eine riesige Herausforderung. Ich bin unglaublich stolz, dass ich trotzdem den finalen Hillclimb in Gușterița erreicht und die Ziellinie überquert habe.“

Der fünfte Platz erhält dadurch noch einmal einen besonderen Stellenwert.


Systematische Vorbereitung als Schlüssel

Zufall ist ein solches Ergebnis jedenfalls nicht. Für Fifer beginnt die Vorbereitung bereits im Winter. Kraft- und Fitnesstraining im Fitnessstudio bilden die Grundlage. Während der Saison stehen Motocross, Endurocross, Cross-Country, Waldtrainings und Extreme Enduro auf dem Programm.

Vor den Red Bull Romaniacs ging sie sogar noch einen Schritt weiter. Sie absolvierte einen fünftägigen Trainingsblock, der den tatsächlichen Rennablauf nahezu exakt nachbildete. Fünf Tage hintereinander trainieren, genau wie später im Rennen – eine Vorbereitung, die sich am Ende auszahlte.


Vertrauen in GASGAS

Seit mittlerweile drei Jahren setzt Tjaša Fifer auf ein Motorrad von GASGAS - die EC 300 ist für sie das perfekte Motorrad. „Das Motorrad passt perfekt zu meinem Fahrstil. Ich fühle mich darauf einfach wohl“, erklärt sie. Gerade bei einem Rennen wie den Red Bull Romaniacs, bei dem Vertrauen in das Material entscheidend ist, spielt dieses Gefühl eine wichtige Rolle.


Nach dem Rennen ist vor dem Rennen

An konkrete Ziele für die kommende Saison denkt Fifer derzeit noch nicht. Zunächst steht die vollständige Regeneration im Vordergrund. Danach wird gemeinsam mit ihrem Team analysiert und geplant, wie die nächste Saison aussehen soll.


Eines hat Tjaša Fifer mit ihrem Auftritt bei den Red Bull Romaniacs jedoch bereits eindrucksvoll bewiesen:

Hard Enduro kennt keine Frauen- oder Männerlinien am Berg. Der Hang fragt nicht nach dem Geschlecht – sondern nur danach, wer den Mut, die Technik und die Ausdauer besitzt, ihn zu bezwingen. Mit Platz fünf in der Bronze-Klasse hat Tjaša Fifer genau das eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


Fotos: Red Bull Romaniacs/Tjaša Fifer