Vespa GTS 310 Edizione Ottantesimo - seit 1946 la dolce vita auf 2 Rädern

80 Jahre Vespa und natürlich lässt Vespa einen solchen Geburtstag nicht einfach so verstreichen. Mit der GTS 310 Edizione Ottantesimo rollt ein Sondermodell auf die Straße, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden soll. Italienisch zeitloses Design trifft auf moderne Technik mit ABS, ASR, 5 Zoll TFT Farbdisplay und bietet somit ordentlich Bella-Macchina-Attitüde.
 

Erster Eindruck / Optik
Schon beim ersten Kontakt wird klar: diese Vespa möchte nicht laut „Sondermodell!“ schreien. Sie flüstert es eher stilvoll ins italienische Ohr. Die eigens entwickelte Farbgebung Verde 80th greift die Optik historischer Vespa-Modelle auf und verleiht der ansonsten modernen GTS einen angenehm nostalgischen Anstrich. Dazu kommen satinierte beziehungsweise verchromte Details und spezielle Designelemente, die das Jubiläumsmodell von der normalen GTS abheben.

Besonders gelungen ist, dass Vespa nicht einfach ein paar Aufkleber verteilt und daraus ein „Limited Edition“-Modell macht. Die Gestaltung wirkt als Gesamtkonzept stimmig. Das 80-Jahre-Emblem, die spezielle Farbgebung und die klassischen Details passen zur Grundform der GTS, ohne sie künstlich auf alt zu trimmen.

Denn eines muss man der GTS lassen: ihre Grundform ist längst eine Designikone. Die charakteristische Blechkarosserie, der markante Frontschild und die einseitige Vorderradaufhängung machen sie auf den ersten Blick als Vespa erkennbar. Das schafft kaum ein anderer Roller.

Allerdings ist die GTS inzwischen ein stattliches Fahrzeug. Mit einer Sitzhöhe von rund 790 Millimetern und einer Länge von knapp zwei Metern wirkt sie deutlich erwachsener als die kleinen Vespa-Modelle. Das ist gut für Komfort und Platzangebot, nimmt ihr aber ein wenig von jener zierlichen Leichtigkeit, die man mit älteren Vespas verbindet. Praktisches Beispiel: mein Nolan N21 Italo Design Helm flutscht ungehindert in den Stauraum unter den Sitz - bei meiner fast 20 Jahre alten 250er GTS braucht es da noch ein wenig „mechanische“ Zuwendung. 

Optisch bleibt sie trotzdem eine echte Italienerin: elegant, eigenständig und ein wenig eitel. Und genau das gehört bei einer Vespa schließlich zum guten Ton.
 


Technik
Unter der klassischen Blechhaut steckt bei der GTS 310 allerdings alles andere als Museumstechnik. Der 310 HPE ist ein moderner, flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung und vier Ventilen.
Aus 310 Kubikzentimetern holt das Aggregat 25 PS bei 6.500 U/min und ein maximales Drehmoment von 28,9 Nm bei 5.250 U/min. Damit ist die GTS zwar kein Sportgerät im klassischen Sinn, aber durchaus kräftig genug, um auch außerhalb der Stadt souverän unterwegs zu sein.

Die Kraftübertragung erfolgt über eine stufenlose CVT-Automatik. Das passt hervorragend zum Charakter der GTS: Gas auf und los gehts. Kein Schalten, kein Kuppeln, kein Nachdenken. Im Stadtverkehr ist das ausgesprochen angenehm, auf kurvigen Landstraßen sorgt der kräftige Einzylinder dafür, dass die GTS durchaus flott bewegt werden kann.

Dabei überrascht der Motor mit seiner Laufkultur. Er hängt ordentlich am Gas und wirkt keineswegs angestrengt. Die 25 PS reichen für den Alltag völlig aus. Wer allerdings sportliche Fahrleistungen erwartet, sollte sich bewusst sein, dass die GTS abgekürzt für Gran Turismo und nicht für Gran Prix steht.

Beim Fahrwerk bleibt Vespa ihrer Konstruktion treu. Vorne arbeitet die charakteristische einseitige Radaufhängung, hinten kommen zwei Federbeine mit einstellbarer Federvorspannung zum Einsatz. Gebremst wird mit Scheibenbremsen an beiden Rädern, unterstützt von einem Zweikanal-ABS. Auch eine Traktionskontrolle (ASR) ist an Bord.

Die Kombination funktioniert im Alltag überzeugend. Die GTS lenkt leicht ein und lässt sich ausgesprochen unkompliziert durch den dichten Stadtverkehr inklusive engster Spurgassen wetzen. Auf kurvigen Straßen macht sie ebenfalls Spaß, wobei man sich immer bewusst sein sollte, dass die 12-Zoll-Räder logischerweise nicht an die Reserven und die Fahrwerksruhe eines ausgewachsenen Motorrads heranreichen. Auf schlechten Straßen zeigt sich daher ein wenig die Kehrseite des klassischen Konzepts. Querfugen, Schlaglöcher und grobe Fahrbahnunebenheiten werden durchaus spürbar an den Fahrer weitergereicht. Geschuldet ist dies aber nicht unbedingt dem Fahrwerk sondern vor allem eben den kleinen Rädern, die auf Unebenheiten nicht gerade als diplomatische Vermittler zwischen Asphalt und Wirbelsäule auftreten.

Dafür überzeigt die aufrechte und entspannte Sitzposition sowie der Vespa typische angenehme Kniewinkel. Mit einem Tankvolumen von rund 8,5 Litern und einem vergleichsweise niedrigen Verbrauch besitzt sie zudem eine ordentliche Reichweite, die vollgetankt lt. digitaler Tachanzeige 210km betragen soll - schlussendlich waren es bei meiner teilweise beherzten Gangart knapp über 180km.

Auch elektronisch ist die Jubiläums-Vespa im Jahr 2026 angekommen. Ein 5-Zoll-TFT-Display, Keyless-System, USB-Anschluss, Smartphone-Konnektivität sowie weitere Komfort- und Connectivity-Funktionen bringen moderne Technik ins klassische Cockpit. Über das Vespa-MIA-System lässt sich das Smartphone mit dem Fahrzeug verbinden.

Und genau darin liegt vielleicht der größte Reiz der Ottantesimo: Man bekommt eine Maschine, die optisch aus einer anderen Epoche stammen könnte, technisch aber keineswegs dort stehen geblieben ist.

Fazit
Die Vespa GTS 310 Edizione Ottantesimo ist keine neue technische Revolution. Das muss sie aber auch nicht sein. Ihr Reiz liegt in der Kombination aus Tradition, Design und moderner Alltagstechnik. Der 310er-Motor liefert ausreichend Leistung, die Automatik passt perfekt zum Einsatzzweck und die Ausstattung lässt kaum wichtige Wünsche offen. Tutto bene!
Der Preis eines solchen Sondermodells dürfte rational denkende Käufer durchaus doch ein wenig zum Nachrechnen animieren. Allerdings ist die Stückzahl auf 1946 limitiert – in Bezug auf die Vespa Geschichte die 1946 begann. Darüber hinaus kauft ein Stück italienische Zweiradkultur – und die Ottantesimo erinnert daran, dass Stil tatsächlich kein Ablaufdatum kennt, capisci?!

Preis: Euro 8699,00 (Faber Roller & Bike)