Bereits der Prolog zeigte, dass mit Tim Gradwohl in der Klasse Silber zu rechnen sein würde. Mit einem sicheren und fehlerfreien Lauf sicherte er sich Rang drei in der Qualifikation und damit einen Startplatz in der ersten Reihe des Prolog-Finales. Ein Auftakt, der nicht nur für Freude sorgte, sondern auch eine ausgezeichnete Ausgangslage für die folgenden Renntage schuf.
Im Finale der 35 schnellsten Fahrer erwischte Gradwohl einen starken Start und konnte sich über lange Zeit auf dem zweiten Platz behaupten. Dann kam es allerdings zu einem heftigen Vorwärtsabgang über einen Sprung. Der Ellenbogen schmerzte sofort stark, doch an Aufgeben dachte Gradwohl nicht. Er stand unmittelbar wieder auf und setzte das Rennen fort. Am Ende wurde es Platz sieben im Prolog.
„Ohne den Sturz wäre mehr drin gewesen“, lautet seine nüchterne Einschätzung. Trotzdem war Gradwohl mit dem siebenten Rang zufrieden – schließlich bedeutete das Ergebnis eine hervorragende Ausgangsposition für den ersten Offroad-Tag.
Schmerzen als ständiger Begleiter
Der erste Blick am frühen Morgen ließ allerdings wenig Gutes erwarten. Bereits um 4:50 Uhr beim Frühstück waren die Sorgen groß. Der Ellenbogen schmerzte extrem, der gesamte linke Unterarm war deutlich angeschwollen und laut Gradwohl etwa doppelt so dick wie der rechte.
Vor ihm lag ausgerechnet die längste Etappe der Veranstaltung: 165 Kilometer Renndistanz von Sibiu nach Petrosani.
Die ersten zehn Minuten waren für den Silber-Fahrer von heftigen Schmerzen geprägt. Doch mit jedem weiteren Kilometer besserte sich die Situation. Gradwohl fand zunehmend seinen Rhythmus und konnte einen guten Flow entwickeln. Der erste Offroad-Tag verlief schnell und war für ihn nicht extrem anspruchsvoll. Bis ins Ziel hielt er seinen siebenten Gesamtrang.
Auch an den folgenden Tagen wiederholte sich das Bild. Die ersten zehn bis 20 Minuten waren jeweils von starken Schmerzen geprägt, danach fand Gradwohl immer besser ins Rennen und konnte den Spaß am Motorradfahren zurückgewinnen.
Die Tageswertungen bestätigten seine Konstanz: Am zweiten und dritten Tag erreichte er jeweils Rang zehn in der Overall-Wertung. In der Gesamtwertung blieb er damit weiterhin auf Platz sieben.
Am letzten Tag wurde noch einmal alles mobilisiert
Vor dem finalen Renntag betrug Gradwohls Vorsprung auf den achten Gesamtrang zwölf Minuten. Gleichzeitig lag er rund zehn bis 15 Minuten hinter den Fahrern auf den Plätzen fünf und sechs.
Sein persönliches Ziel blieb dabei unverändert: Spaß haben, das Beste aus dem Motorrad herausholen, was möglich ist, und trotzdem so lange pushen, bis der körperliche Tank komplett leer ist.
Der vierte Renntag sollte dabei für Gradwohl zum härtesten der gesamten Veranstaltung werden. Die Blasen an seiner linken Handfläche waren aufgerissen, wodurch jeder weitere Meter zur Qual wurde. Er wusste, dass er dadurch Zeit verloren hatte – und tatsächlich konnten zwei Fahrer von hinten aufschließen und ihn überholen.
Am Servicepunkt folgte dann die klare Ansage seines Vaters: Jetzt gab es nur noch ein Gas – Vollgas. Es ging darum, keinen Platz in der Gesamtwertung zu verlieren.
Gradwohl setzte die Vorgabe um. Auf der letzten Etappe vom Servicepunkt bis ins Ziel gab er noch einmal alles, holte beide Fahrer wieder ein und brachte damit seinen siebenten Gesamtrang ins Ziel.
21 Stunden und 58 Minuten im Rennen
Nach insgesamt fünf Renntagen stand für Tim Gradwohl schließlich der siebente Platz in der Overall-Wertung zu Buche. Seine gesamte Fahrtzeit betrug 21 Stunden und 58 Minuten.
Für Gradwohl ist dieses Ergebnis weit mehr als eine Platzierung. Ein Top-10-Ergebnis war für ihn zwar ein heimliches Ziel gewesen, wirklich damit gerechnet hatte er jedoch nicht. Umso größer ist die Freude über das Resultat und die eigene Leistung.
„Ich bin noch nie so gut Motorrad gefahren wie diese fünf Tage“, lautet sein persönliches Fazit. Besonders stolz ist er dabei nicht nur auf seine eigene Leistung, sondern auf das, was das gesamte Team erreicht hat: sein Vater, Bobby, Sevi und er selbst.
Ein besonderer Dank an den Vater
Hinter dem siebenten Gesamtrang steht auch eine enorme Vorarbeit. Ohne seinen Vater, so betont Gradwohl, wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen. In den Wochen vor dem Rennen wurde die Beta 300 RR intensiv vorbereitet. Vor Ort wurde das Motorrad täglich komplett durchgesehen und jedes einzelne Teil, das zu einem möglichen Ausfall hätte führen können, ausgetauscht.
Für Gradwohl ist deshalb klar, wem ein ganz besonderer Dank gilt: „Papa, du bist eine absolute Legende. Danke, dass du mit mir durch Himmel und Hölle fährst und mir so ein unvergessliches Erlebnis wie die Romaniacs ermöglichst.“
Dabei hebt er auch den persönlichen Einsatz seines 62-jährigen Vaters hervor. Schlafmangel, Stress und die tägliche Arbeit rund um das Motorrad nahm dieser freiwillig auf sich, um seinem Sohn die bestmögliche Unterstützung zu geben.
Am Ende bleibt deshalb nicht nur ein starkes sportliches Ergebnis. Es bleibt die Erinnerung an fünf intensive Renntage, an Schmerzen, Rückschläge, Vollgaspassagen und den Kampf bis zum letzten Meter – und an ein gemeinsames Erlebnis, das Tim Gradwohl und seinem Vater ein Leben lang bleiben wird.