Hard Enduro World Ranking: Red Bull Romaniacs Finisher Thomas Bruckner

Bronze ist kein Kindergeburtstag. Thomas Bruckner wusste vor dem Start der Red Bull Romaniacs nicht genau, was ihn erwartet. Nach fünf intensiven Tagen in Sibiu weiß er es dafür umso besser. Eine persönliche Rennreportage zwischen Vorbereitung, Prolog, technischen Herausforderungen, 40 Grad Hitze und der Erkenntnis: Wer die Ziellinie erreicht, ist ein Gewinner.

Super Leistung Thomas!

 

Thomas Bruckner berichtet: 


Im ersten Teil der Geschichte aus dem gehüteten österreichischen HSV Burg Kreuzenstein tönte ich heuer: „Ich fahre die Romaniacs und bereite mich vor.“

Etliche Schauer-, Münchhausen-, Erlebnis- und reale Geschichten aus den unterschiedlichsten Klassen wurden mir zugetragen. Also, was soll man glauben? Eines sagen sie alle – und das stimmt: Vorbereitung ist die halbe Miete!

Mit dieser Erkenntnis und entsprechendem Respekt ging es nach Sibiu. Am Sonntag stand zunächst das Einschreibungsprozedere auf dem Programm. Top organisiert von Martin F., Christiane B. und ihrem Team. Zahlreiche Helferlein sorgen teilweise in verschiedenen Sprachen dafür, dass alles wie am Schnürchen läuft – vorausgesetzt, man hat vorher die diversen Posts auf der Romaniacs-Homepage gelesen oder mit bereits erfahrenen Fahrern gesprochen.

Vom Navi bis zum Foto-/Videotermin, vom Medical Check bis zum Merch-Stand bleibt dann noch der eine oder andere Euro kleben. Diese Ausgaben sind allerdings gut investiert.


Training mit den Profis – zumindest gefühlt

Am Montagvormittag ging es zum Training in die Wälder rund um das berühmte Gusteria-Gebiet. Körper, Geist und Maschine sollten auf die bevorstehenden Belastungen eingestellt werden.

Das Training war super – und plötzlich trifft man dort auch Mario Roman, Maxi Scheck und Tasja Fifer, die ebenfalls ihre Runden drehen.

Leiwandes Gefühl: gefühlter Profi!

Anschließend folgte die Parade durch die Innenstadt von Sibiu. Sehr geordnet, mit einer beeindruckenden Anzahl an Zuschauern und vielen freundlichen Gesichtern aus aller Welt. Die Atmosphäre macht bereits zu diesem Zeitpunkt klar: Hier geht es nicht einfach um irgendein Enduro-Rennen.


Prolog: Lieber sicher ins Offroad-Rennen

Dienstag, Prolog-Tag. Zum ersten Mal heißt es früh raus: 6:00 Uhr Track Walk.

„Bist du narrisch, ist das alles hoch, weit und gefährlich!“

Die Entscheidung für meine Taktik war damit eigentlich gefallen. Möglichst knapp an die 30 herankommen, damit ich beim ersten Offroad-Tag im vorderen Drittel starten kann. Das Finale wollte ich vermeiden – schließlich kann man sich dort auch verletzen.

Die Rechnung ging auf.

Platz 40. Danke!

Damit war die Ausgangslage für die eigentliche Herausforderung geschaffen: vier Tage Offroad-Madness.


Bronze ist kein Kindergeburtstag

Hier sei eines gesagt: Bronze ist kein Kindergeburtstag.

Die Tage beginnen früh und verschwimmen irgendwann ineinander. Zwischen 5 und 6 Uhr morgens das Navi holen, anschließend zum Vorstart, weiter zum Offroad-Start – und dann geht es endlich auf die eigentliche Strecke.

Der erste Tag führt von Sibiu ins Gebirge, rund 150 Kilometer Richtung Straja. Zunächst ist die Strecke richtig schön zu fahren, mit etlichen schnellen Passagen. Danach wird es zunehmend technischer, bis dich das Ziel schließlich bei einer alten Fabrik wieder ausspuckt.

Nudeln essen. Batterie auffüllen. Kurz durchschnaufen.

Dann kommen Tag zwei und drei mit jeweils rund 130 Kilometern im Hochgebirge. Latschen verstecken die Steine, Waldpassagen wechseln mit Abfahrten, bei denen man irgendwann einfach absteigen muss. Danach folgen Auffahrten, die gefühlt niemals enden wollen.


Bis zum Moni Karl’s Dinner.

Dort hängt gefühlt das halbe Starterfeld.

Die Mittagspause ist fast in Sicht – und dann kommt natürlich noch eine technische Stelle zum Aufarbeiten. So wird aus „bald Mittag“ schnell einmal „eigentlich hast du mittags schon gegessen“. 

Doch Pause hin oder her: Wieder rauf aufs Bike. Schließlich warten rund sechs bis sieben Stunden Fahrtzeit.

Und immer wieder schießen Manuel Lettenbichler, Teodor Kabakchiev und die Brightmore-Brüder vorbei.

MEGA – mit den Stars auf einer Strecke!


Zwischen Rennstrecke und Schraubereinsatz

Nach dem täglichen Offroad-Marathon heißt es Körper und Geist schonen. Am besten mit einem guten Begleiter.

Danke Stephan Krebs – du bist Hammer!

Denn eines ist bei den Romaniacs garantiert: Jeden Tag wartet etwas anderes. Und damit gibt es auch jeden Tag etwas zu schrauben. Das zieht sich teilweise bis in den Abend.

Wer am nächsten Morgen wieder auf dem Motorrad sitzen will, muss entsprechend vorbereitet sein.


Wenn nach drei Tagen der Tank leer ist

Nach drei Tagen mit gefühlten zwei Marathons à drei Stunden steigst du nochmals auf das Motorrad und wirst mit der Frage konfrontiert, was eigentlich noch im körperlichen Tank steckt.

Bei mir war die Platzierung zu diesem Zeitpunkt längst verspielt. Am zweiten Tag war die Bronze-Strecke für mich zu leicht, wodurch plötzlich nur mehr Silber/Gold als Option übrig blieb.

Selbst schuld. Kein Mitleid.

Also raus ins Mittags-Paddock und am Nachmittag wieder Richtung Ziel.

Auffahrten im Wald, Abfahrten in diversen Creeks mit Wasserbetten, die zumindest meine steckende Hinterbremse ordentlich kühlten. Danach hinaus in die Weiten rund um Sibiu und entlang des kleinen Bächleins Richtung Ziel.

Die Kilometer ziehen sich.

Die Kraft wird weniger.

Und trotzdem geht es weiter.


Gusteria: Das letzte Kapitel

Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt die Gusteria daher.

Was im Fernsehen noch so aussieht wie: „Geh locker, der Hang geht“ – und auch die Obstacles schauen auf den Bildern aus wie nichts Besonderes – fühlt sich vor Ort plötzlich ganz anders an.

Nach fünf Tagen, die körperlich ordentlich Substanz kosten, kommt dort noch einmal alles zusammen.

Die Gusteria ist das Letzte, was dir die Romaniacs abverlangt.

Und wenn ich „das Letzte“ sage, dann meine ich wirklich das Allerletzte, was irgendwie noch möglich ist.


Bei 40 Grad. Ohne Schatten.

Finish – und plötzlich sind alle Gewinner

Dann endlich: das Ziel.

Du kannst es selbst kaum glauben. Dein Betreuer kann es kaum glauben.

Und in diesem Moment wird klar, was die Red Bull Romaniacs eigentlich ausmacht:

Jeder. Absolut jeder, der die Ziellinie mit seinem Bike überquert, ist ein Gewinner.

Nach fünf Tagen, unzähligen Kilometern, technischen Herausforderungen, Hitze, Erschöpfung und einer gehörigen Portion Wahnsinn bleibt für mich deshalb nur eines zu sagen:

"Danke. Ich habe gefinished."

 

Der Motorradreporter gratuliert zu der Leistung!