Nur wenige Tage nach der sechsten Runde der FIM Hard Enduro World Championship in Lesotho standen die Fahrer des X-GRIP Racing Teams, Mitch Brightmore, Ashton Brightmore und Dieter Rudolf, beim spektakulären Sea to Sky in Kemer in der Türkei bereits wieder am Start. Da sich die Meisterschaft ihrem entscheidenden Finale nähert, bot das vorletzte Rennen der Saison eine weitere wichtige Gelegenheit, wertvolle Punkte zu sammeln.
Vor der beeindruckenden Kulisse der türkischen Riviera mussten sich die weltbesten Hard-Enduro-Fahrer erneut in drei anspruchsvollen Rennen beweisen: dem Beach Race, dem Forest Race und dem legendären Mountain Race, das die Teilnehmer von der Mittelmeerküste bis auf den Gipfel des Tahtalı führte.
Beach Race: Mitch gewinnt im Sand
Den Auftakt bildete das Beach Race. Nach der Qualifikation gegen die Stoppuhr gingen die Fahrer im Massenstart in die Vorläufe. Der anspruchsvolle Sandkurs im SuperEnduro-Stil kam den Stärken der Brightmore-Brüder von Beginn an entgegen.
Qualifikation & Vorläufe
Mitch erzielte in der Qualifikation die mit Abstand schnellste Zeit, während Ashton mit dem dritten Platz ebenfalls überzeugte. Die beiden jungen Briten knüpften in den Vorläufen an ihre starken Rundenzeiten an und sicherten sich mit jeweils zwei Laufsiegen souverän die Qualifikation für das Finale. Auch Didi fand sich auf dem anspruchsvollen Kurs schnell zurecht, platzierte sich in den Vorläufen gut und qualifizierte sich ebenfalls für den Endlauf.
Finale
Das sechsminütige Finale bot von Beginn an packendes Racing. Mitch erwischte einen hervorragenden Start, übernahm sofort die Führung und versuchte, sich von seinen Verfolgern abzusetzen. Auch Ashton kam gut weg und blieb in Schlagdistanz zur Spitze. Ein kurzer Rutscher von Mitch eröffnete seinen Konkurrenten jedoch eine Chance und löste einen spannenden Vierkampf um den Sieg aus.
Ashton ging in Führung und verteidigte sie hartnäckig, während sich auch im restlichen Feld intensive Positionskämpfe entwickelten. Didi zeigte unterdessen eine solide Leistung und arbeitete sich auf den neunten Platz vor.
Dann stürzte Ashton schwer, fiel aus der Spitzengruppe heraus und musste sich anschließend mühsam wieder nach vorne kämpfen. Nach seinem Rutscher fand Mitch zu seinem Rhythmus zurück, eroberte die Führung erneut und kontrollierte fortan das Tempo. Mit einer überlegten Fahrt behauptete sich der britische GASGAS-Pilot und sicherte sich einen klaren Sieg beim Sea to Sky Beach Race 2026.
Didi behauptete seine Position und beendete das Rennen auf Rang neun. Damit schuf sich der österreichische X-GRIP-Racing-Team-Fahrer eine solide Ausgangslage für das Forest Race. Trotz seines Sturzes erholte sich Ashton gut, überquerte die Ziellinie als Vierter und verpasste das Podium nur knapp.
Forest Race: Platz drei für Mitch trotz Staub
Der erste volle Offroad-Renntag führte über die rund 60 Kilometer lange Strecke des Forest Race. Das Sprintrennen machte seinem Namen alle Ehre: Schnelle Passagen, flüssige Singletrails durch die Wälder rund um Kemer und lange Schotterstraßen wurden ebenso zügig gefahren wie die technisch anspruchsvolleren Waldabschnitte und Passagen mit losem Gestein.
Mitch erwischte erneut einen guten Start, reihte sich auf Rang drei ein und konnte das extrem hohe Tempo an der Spitze zunächst mitgehen. Auch Teamkollege Didi kam gut ins Rennen und behauptete in der Anfangsphase seine Position. Als ihn im Bereich von Checkpoint 3 ein Konkurrent überholte, blieb der Österreicher dicht hinter ihm und versuchte, den Anschluss zu halten. Nach seinem heftigen Sturz im Beach Race war Ashton noch angeschlagen, fand zunächst nur schwer zu seinem gewohnten Rhythmus und wirkte sehr verkrampft. Nach dem kurzen Tankstopp gelang es ihm jedoch, seinen Flow wiederzufinden, die Pace zu erhöhen und verlorene Zeit aufzuholen. Ein Fahrfehler brachte Didi aus dem Rhythmus und kostete ihn den Anschluss an den vor ihm fahrenden Konkurrenten. In der Folge fiel es ihm schwer, wieder sein gewohntes Tempo zu finden.
Mitch stand vor einer anderen Herausforderung: Aufgrund seiner Rot-Grün-Sehschwäche konnte er die Streckenmarkierungen bei den hohen Geschwindigkeiten im Wald nur schwer erkennen. Die starke Staubentwicklung erschwerte die Orientierung zusätzlich. Deshalb musste der britische GASGAS-Pilot vorsichtiger fahren und unnötige Risiken vermeiden, um ein sicheres Ergebnis ins Ziel zu bringen. Diese Entscheidung zahlte sich aus: Mitch erreichte das Ziel auf rund 1.200 Metern Seehöhe auf dem starken dritten Platz. Ashton folgte ihm nach einer Aufholjagd in der zweiten Rennhälfte dicht dahinter auf Rang vier. Auch Didi zeigte eine solide Leistung und belegte nach einem kämpferischen Rennen den siebten Platz.
Mountain Race: von der Küste auf den Gipfel des Tahtalı
Das Mountain Race am Samstag bildete den letzten und zugleich härtesten Renntag. Die spektakuläre, 65 Kilometer lange Strecke führte die Fahrer von der Mittelmeerküste in Kemer bis auf den Gipfel des Tahtalı. Das Ziel lag auf einer Höhe von 2.365 Metern.
Der Kurs vereinte sandige Strandpassagen, steinige Flussbetten, enge Canyon-Durchfahrten, Waldwege und einen extrem anspruchsvollen Schlussanstieg über loses Geröll und freiliegende Felsen. Gefragt waren gleichermaßen Ausdauer, technisches Können und eiserner Durchhaltewille.
Start und Canyons
Die Brightmore-Brüder erwischten an der Küste erneut hervorragende Starts und positionierten sich sofort in der Spitzengruppe. Didi hingegen erlebte einen denkbar schlechten Auftakt: In eine Kollision verwickelt, stürzte er früh im Rennen und verlor wertvolle Zeit.
Mitchs Rot-Grün-Sehschwäche machte sich in den dunklen Waldpassagen zu Beginn erneut bemerkbar und kostete ihn einige Sekunden auf die Führenden. Da sich die Positionen an der Spitze bis zur ersten Canyon-Passage kaum veränderten, blieb Ashton seinem älteren Bruder dicht auf den Fersen. Nach seinem frühen Sturz erreichte Didi den Canyon am Ende des Feldes. Dank seiner Erfahrung fand er sich auf dem technisch anspruchsvollen Terrain jedoch schnell wieder zurecht und machte mehrere Plätze gut.
Dark Canyon
Vor dem berüchtigten „Dark Canyon“ erhöhte Mitch das Tempo, um den Rückstand auf die Spitze zu verkürzen. Dieser Streckenabschnitt zählt zu den entscheidenden Schlüsselstellen des Rennens: Dort wartete ein nahezu unüberwindbarer Anstieg über glatte, nasse Felsen, den die Fahrer ohne gegenseitige Hilfe kaum bewältigen konnten. Mitch erreichte die Passage gerade, als die Spitzengruppe vor ihm verschwand. Daraufhin halfen sich die beiden Brightmore-Brüder gegenseitig, um den extrem schwierigen Abschnitt zu überwinden. Für Didi wurden das anspruchsvolle Gelände und die enorme körperliche Belastung zunehmend zur Herausforderung. Da er erkannte, dass er das bisherige Tempo nicht bis ins Ziel würde halten können, entschied er sich bei den tückischen Flussdurchquerungen für eine vorsichtigere Fahrweise. Er kämpfte sich weiter voran, doch an den letzten drei Checkpoints machten ihm schwere, erschöpfungsbedingte Muskelkrämpfe zu schaffen und erschwerten die Schlussphase erheblich.
Schlussanstieg
Weiter vorne teilte Ashton seine Kräfte überlegt ein und schaltete einen Gang zurück. Mitch hingegen wollte den verbleibenden Rückstand unbedingt wettmachen und erhöhte erneut das Tempo. Seine Aufholjagd brachte ihn wieder in Schlagdistanz zu den vor ihm liegenden Fahrern und bereitete den Boden für ein dramatisches Duell kurz vor dem letzten Anstieg. Mit dem Ziel am Gipfel des Tahtalı vor Augen setzte Mitch auf den letzten Metern zur Attacke an. Er griff den Südafrikaner Tom Scales an, überholte ihn und nahm den extrem steilen Schlussanstieg in Angriff. Loser Schotter und tiefe Felsspalten machten dabei jeden Meter zur Herausforderung. Mitch erreichte das Ziel unterhalb der Bergstation der Tahtalı-Seilbahn auf Rang 4. Damit lieferte er auf einer der anspruchsvollsten Hard-Enduro-Strecken eine starke Leistung ab und sammelte wichtige Punkte für die FIM Hard Enduro World Championship. Einige Minuten später überquerte sein jüngerer Bruder Ashton als Sechster die Ziellinie. Nach einem schwierigen Rennen und den Nachwirkungen seines Sturzes im Beach Race war er erleichtert, das kräftezehrende Mountain Race beendet und ein weiteres wichtiges Ergebnis erzielt zu haben.
Didi komplettierte die starke Leistung des X-GRIP Racing Teams. Er erreichte erschöpft, aber überglücklich den Gipfel und belegte den hervorragenden 10. Platz.
Mit den Rängen 4, 6 und 10 unterstrich das X-GRIP Racing Team beim Sea to Sky 2026 seine starke Gesamtleistung und seine Ambitionen im Titelkampf. Nun richtet das Team den Fokus auf das Saisonfinale bei der Hixpania Hard Enduro in Spanien, wo beide Brightmore-Brüder um ihre Meisterschaftstitel kämpfen. Ein letztes Rennen. Zwei Titelkämpfe. Das X-GRIP Racing Team ist bereit für die Entscheidung.
Quelle: X-Grip
Foto: endurolife
MR/DA