Rund 400 Fahrer stellten sich der etwa acht Kilometer langen Strecke auf knapp 1.000 Metern Seehöhe. Zwei Drittel Wald, Liefertrassen, Hohlwege, steile Abfahrten und technische Passagen verlangten Mensch und Maschine alles ab.
Die Temperaturen blieben in der Höhenlage erträglich, doch die Staubentwicklung machte das Rennen stellenweise zum Blindflug. Wer schnell sein wollte, musste beherzt am Gas bleiben und Gefahren lesen, die kaum sichtbar waren. Risikomanagement wurde ebenso wichtig wie Geschwindigkeit.
Für Maurice Egger begann der zweistündige ÖM-Open-Lauf am Samstag ungünstig. Seine KTM 250 EXC-F sprang beim Start nicht sofort an, dennoch fand der amtierende Staatsmeister rasch seinen Rhythmus.
In der zweiten oder dritten Runde stürzte er auf die seit zwei Wochen schmerzende rechte Hand, bei der Egger eine Verletzung vermutet. Die Schmerzen nahmen zu, Konzentration und Körperspannung ließen nach, Fehler und Rutscher folgten.
Trotzdem kämpfte Maurice Runde um Runde weiter und rettete mit Rang vier wertvolle Meisterschaftspunkte – Schadensbegrenzung in der Sprache eines Champions.
Am Sonntag eröffnete Egger als ÖM-Führender das einstündige Sprintrennen. Schon in der Einführungsrunde brachte er seinen Körper und seine KTM auf Betriebstemperatur, danach attackierte er vom ersten Meter an.
Besonders bergab wurden die Schläge für seinen Arm zur Tortur. Maurice stellte seinen Fahrstil um, arbeitete verstärkt aus den Beinen und mobilisierte jede Reserve.
Nach vier gezeiteten Runden fehlten nur 17 Sekunden auf Tagessieger Valentino Hutter. Mit Platz zwei verteidigte Maurice seine Gesamtführung: 162 Punkte bedeuten zwölf Zähler Vorsprung auf Hutter. Wahre Stärke zeigt sich auch dann, wenn der Körper zum Aufgeben rät!
Tristan Schabernig stellte sich auf seiner GASGAS EC 350F ebenfalls einer besonderen Herausforderung. Nach mehr als einem Monat ohne Motorradzeit aufgrund beruflicher Verpflichtungen reiste er mit gedämpften Erwartungen an.
Am Samstag verhakte er sich in der ersten Kurve mit einem Konkurrenten und musste sich danach durch die Staubwand kämpfen.
Tristan fand dennoch seinen Rhythmus. Nach eineinhalb Stunden forderte die fehlende Trainingszeit am Motorrad ihren Tribut. Er reduzierte das Tempo kontrolliert und beendete den Lauf auf Rang acht. Im Sonntagssprint fühlte sich Tristan aber stärker. Ein Sturz in seiner ersten gezeiteten Runde kostete jedoch Rhythmus und Zeit. Er pushte nochmals und brachte Platz sieben ins Ziel.
Mit 100 Punkten behauptet Tristan Rang vier der ÖM-Open-Gesamtwertung. Bereits am kommenden Wochenende wartet in Mattighofen die nächste ÖM-Herausforderung.
Für das emotionale Ausrufezeichen sorgten Armin Steiner und sein junger Enduro-Kompanion Samy Untersteiner. Kurzentschlossen meldeten sie sich unter dem Namen „UNTER-STEINER“ für die Teamklasse an. Erfahrung, jugendlicher Angriffswille und ausgezeichnetes Zusammenspiel griffen präzise ineinander.
Armin pilotierte seine KTM 300 EXC mit all seiner Routine durch das Kärntner Gelände, Samy hielt kompromisslos dagegen – gemeinsam fuhren sie einen grandiosen Klassensieg ein.
Mitten im Geschehen war Teamchef Berni Walzer. Der sechsfache österreichische Enduro-Staatsmeister beobachtete Linien, Abstände und Rennentwicklung mit jahrzehntelanger Erfahrung.
Seine Hinweise halfen den Piloten, die Staubschlacht richtig zu lesen.
Wenn Sicht und Gefühl an Grenzen stoßen, wird Erfahrung zum zusätzlichen Sensor – genau diesen Vorteil brachte Berni ins Team ein.
Quelle: Team KTM Walzer
MR/AL