Die Anklage: „Der Standard“, ORF & ZDF wittern den Umweltskandal
Ausgelöst durch eine einjährige Recherche der NGO Climate Whistleblowers gemeinsam mit Medien wie dem Standard, dem ORF, ZDF und Le Monde, rollt eine massive Klagewelle durch den Blätterwald. Der Vorwurf wiegt schwer: KTM betreibe seit Jahren illegalen Betrug mit System.
Die Argumentation der Investigativ-Journalisten: Um die strengen EU-Abgas- und Lärmgrenzwerte für eine Straßenzulassung zu erfüllen, werden Wettbewerbsenduros auf dem Papier extrem gedrosselt homologiert (oft mit nur 12 bis 15 PS). In der Praxis,so der Vorwurf,verlasse jedoch kaum ein Bike die Händlerhallen in diesem Zustand. Mittels direkt mitgelieferter „Entdrosselungs-Kits“ werden die Maschinen auf ihre offene Leistung (ca. 50 PS) gebracht. Das Ergebnis: Die Bikes stoßen im offenen Betrieb ein Vielfaches der erlaubten Emissionen aus.
Die Mainstream-Medien rücken das Ganze in die Nähe des VW-Dieselskandals („Abgasskandal auf zwei Rädern“). Verdeckte Händlerbesuche der Rechercheure sollen zudem zeigen, dass Verkäufer den illegalen Rückbau aktiv anbieten oder als reine Formsache abtun. Da das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Ermittlungen eingeleitet hat, wittern die Berichte eine handfeste juristische Affäre.
Die Verteidigung: „1000PS“ erklärt die sportliche Realität
Die Reaktion der Motorrad-Fachmedien ließ nicht lange auf sich warten. Das Portal 1000PS hält der Berichterstattung blankes Unwissen über die Praxis des Endurosports entgegen und bezeichnet das Thema als künstlich „herbeigewünschten Skandal“.
Der wichtigste Konter: Eine KTM EXC ist kein Alltagsfahrzeug. Niemand kauft ein solches Sportgerät, um damit zur Arbeit zu pendeln oder über die Autobahn zu brettern – dafür sind Wartungsintervalle (nach Betriebsstunden!), Fahrwerk und Stollenreifen überhaupt nicht ausgelegt. Die Fahrer transportieren ihre Bikes auf dem Anhänger zur Rennstrecke.
Warum also überhaupt die Straßenzulassung? Sie ist eine rein logistische und sportrechtliche Notwendigkeit. Bei klassischen, völlig legalen Endurowettbewerben müssen die Maschinen angemeldet sein, um kurze Verbindungsetappen auf öffentlichen Feldwegen oder Straßen zwischen den gesperrten Sonderprüfungen legal befahren zu dürfen.
Auch der Vergleich mit dem Dieselskandal hinkt für 1000PS gewaltig: Bei VW wurde der Kunde heimlich getäuscht. Beim Kauf einer Enduro weiß jeder Käufer ganz genau, was er tut. Die Händler weisen explizit darauf hin, dass die Straßenzulassung beim Entdrosseln erlischt. Wer das Bike danach illegal im öffentlichen Verkehr bewegt, handelt in voller Eigenverantwortung – KTM liefert lediglich die Option für den geschlossenen Rennsport. Zudem seien die von NGOs hochgerechneten Zahlen an angeblichen „illegalen Straßen-Bikes“ völlig realitätsfern, da die absolute Mehrheit der Maschinen im Unterholz und auf Rennstrecken bewegt wird.
Der Gegenangriff: „Speedweek“ ortet eine gezielte Vernichtungskampagne
Noch drastischer reagiert das Magazin Speedweek. Hier wird der Spieß umgedreht: Nicht die Zulassungspraxis sei der Skandal, sondern die „bösartige Berichterstattung“ der Medien, die eine koordinierte Kampagne gegen einen angeschlagenen Hersteller führen.
Speedweek wirft den Investigativ-Journalisten bewusste Stimmungs- und Effekthascherei vor. So sei der legendäre KTM-Slogan „Ready to Race“ (Bereit fürs Rennen) in den Berichten absichtlich falsch mit „Bereit zu rasen“ übersetzt worden, um die Community vorab zu kriminalisieren. Auch ökologisch wird gekontert: Während die NGO das Thema auf den Klimawandel (CO₂) münzt, macht der gesamte Motorradbestand in Deutschland gerade einmal 0,3 % der jährlichen CO₂-Emissionen aus – Hard-Enduros sind davon ein homöopathischer Bruchteil. In den Mainstream-Berichten würden zudem Kohlenmonoxid (Zweitakter) und Stickoxide (Diesel) unsauber vermischt, um das Narrativ vom „Abgasskandal“ künstlich aufrechtzuerhalten.
Besonders bitter stößt Speedweek die wirtschaftliche Komponente auf. KTM befindet sich mitten in einem sensiblen Sanierungsverfahren. Eine derartige Medienkampagne kurz vor der Auslieferungswelle der neuen Modelle provoziere mutwillig Stornierungen verunsicherter Kunden. Den beteiligten Sendern seien „3.800 Arbeitsplätze bei KTM offenbar völlig gleichgültig“, so der harte Vorwurf. Wenn einzelne Fahrer illegal ohne Spiegel und mit offener Leistung auf der Straße erwischt werden, sei das ein Fall für die Exekutive, nicht für eine mediale Treibjagd auf die Industrie.
Fazit für die Reporter-Gemeinde
Der Konflikt zeigt die tiefe Kluft zwischen zwei Welten:
Auf der einen Seite stehen die Mainstream-Medien, die sich stur an den Buchstaben des Gesetzes klammern. Aus ihrer rein juristischen und ökologischen Sichtweise ist es unzulässig, dass Fahrzeuge homologiert werden, deren legaler Zustand auf der Straße in der Praxis kaum existiert. Sie fordern eine lückenlose Aufklärung der Grauzonen.
Auf der anderen Seite steht die Motorsport-Realität. Die Fachmedien verteidigen zu Recht ein System, das seit Jahrzehnten den Fortbestand des Endurosports sichert. Das eigentliche Problem ist hier nicht KTM, sondern ein veraltetes, starres Zulassungsrecht, das keine eigene, pragmatische Kategorie für reine Sportgeräte kennt, die lediglich Verbindungsetappen überbrücken müssen.
Was bleibt, ist ein massiver Imageschaden für die Motorradbranche, angefeuert durch eine Debatte, die mit viel Emotion und wenig Verständnis für die tatsächliche Nutzung der Fahrzeuge geführt wird.
Quellen:
https://www.zdf.de/play/magazine/frontal-das-magazin-100/frontal-vom-26-mai-2026-100
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260527_OTS0015/stellungnahme-der-ktm-ag-zu-medienberichten-ueber-enduro-modelle
https://www.speedweek.com/a/medienskandal-um-enduros-von-ktm-groesstmoeglicher-schaden
https://www.1000ps.at/businessnews-id-3014180-ktm-enduro-skandal