BMW M1000RR – Rennstreckenmotorrad mit Strassenzulassung

Aufmerksame MR Leser wissen ja schon Bescheid, ich hatte mich beim Test der BMW S1000RR verliebt (BMW S1000RR Testbericht). Und jetzt bekomme ich die M1000RR, also den Häuptling der Supersportmotorräder von BMW. Die Vorfreude war groß, weil die Erwartung war, ich bekomme eine S1000RR mit mehr Carbon, aggressiverer Frontoptik, denn die Leistungsdaten unterschieden sich nicht großartig.

bmw
Die Vorfreude war groß

Der Tag der Abholung 

bei BMW Motorradzentrum Wien war gekommen. Dieser wurde schon Tage vorher mit NL (neue Lage) einem Countdown unterzogen, während die Freude darauf einem wieder in die Christkindzeiten vor der Bescherung versetzte. Irgendwie ist so eine Vorfreude die schönste Freude.

Ein kurzer Übernahmecheck bei der Übergabe offenbarte schon, dass es sich nicht um eine aufgemotzte S1000RR handelt. Kein elektronisches Fahrwerk, sondern noch ein Klassisches, mit manueller Zug/Druckstufenverstellung, keine Carbon Räder (wieso eigentlich nicht??) und eine Sitzposition die gar nichts mehr mit einer S1000RR zu tun hat. Ein breiterer (harter) Sitz, der eine wesentlich höher Sitzposition im direkten Vergleich hat. Die Message ist offensichtlich: Rennstrecke und keine Sänfte für alte Männer mit Übergewicht.

bhmw
M1000RR

Aber es gab noch mehr Unterschiede

Die M1000RR Verkleidung ist im unteren Bereich geschlossen, und nicht wie bei der S1000RR zum Teil offen. Ich kann nicht sagen, ob das der Grund für meine leichten Verbrennungen im Bereich Unterschenkel war, oder ob die Kombination aus heißen Sommertemperaturen und fehlendem Ledergewand die Ursache waren, aber bei meiner RSV1000 habe ich dasselbe Problem, nur auf den Oberschenkeln. Man könnte es auch als ein kostenfreies Feature zur Erhöhung der Fahrersicherheit ansehen… wer bei 210PS und 314km/h Spitze kein Ledergewand trägt, der wird mit leichten Brandwunden „erinnert“. 

Bei Überlandfahrten bestand das Problem (im Gegensatz zu meiner RSV1000) aber nicht mehr. Also kein großes Ding, weil wer fährt schon mit einer M1000RR als daily driver durch die Stadt, wenn es mehr als 30 Grad hat?!? Ich habe das nur für euch getan 😊!

Aber auch dieses Erlebnis zeigt klar, wofür die M100RR gebaut wurde, nämlich für 

die Rennstrecke, oder als Statussymbol im Wohnzimmer

rbe
oder Gartenlaube

Als Rennstreckengerät benötigt man das nötige Kleingeld (mit Zusatzausstattung lag der Listenpreis meines Testmotorrades bei EUR 46.000.-), für mich käme daher eher die Wohnzimmervariante in Frage, denn die M1000RR mit ihren breiten Flügel und den tief angesetzten LED Lichtern, gepaart mit der großen mittigen Ansaugöffnung, schaut einfach Geil aus, und zwar so leiwand, dass ich mir dieses Motorrad auch gerne von der Couch aus ansehe , so wie manche ein Kunstwerk und dabei immer zu wissen, welche Leistungsdaten abrufbar sind, . 

Im täglichen Betrieb sind nur zwei Dinge störend, das ist die aggressive Sitzposition am harten Sitz und die Abwärme bei den Beinen im Stadtbetrieb. Motorisch fährt sich die M1000RR wie mein Liebling, die S1000RR, am besten im Fahrmodus Dynamik.

Und wie bei der S, erregt die M doch einiges an Aufmerksamkeit bei anderen Straßen-Verkehrsteilnehmern. Ich wurde, wie bei der S, öfters angesprochen, die Blicke im Rückspiegel waren teilweise amüsant zu beobachten, wenn die M1000RR mit ihren breiten Flügeln angeflogen kommt.

Der BMW Schaltautomat arbeitet bei den 4 Zylindermodellen fast perfekt, auch in niedrigeren Drehzahlen und auch bei der M muss man nicht auf Heizgriffe verzichten. Wie für ein Rennstreckenmotorrad (mit Zulassung) üblich, sind Fußrasten und Fußhebel vielfach in ihrer Position verstellbar. Eigens programmierbare Fahrmodi erlauben unterschiedliche Abstimmungen und man kann aus mehreren Ansichten die gewünschte Cockpitdarstellung im großen und gut ablesbaren Display auswählen. Ein manueller Laptimer ist auch an Board.

Die bei BMW bewährte Elektronik hat mir auch diesmal wieder ohne großes Tamtam meinen Bausparer gerettet (ja, auch wir Tester zahlen ein, wenn wir das Motorrad schrotten), diesmal blieben, bis auf einen Ölfleck am Gürtel, größere DTC Eingriffe aus… während bei der S1000RR doch öfters Ausschläge bis 40% am Display waren, passierte dies bei der M1000RR seltener, aber nur weil der Listenpreis so hoch ist und ich dadurch noch mehr Respekt hatte. 

Eine alte Motorradweisheit besagt nämlich:

„verlierst Du den Respekt für das Motorrad, dann verkaufe es, es wird Dich sonst ggf. umbringen“

Trotzdem wurden fast wissenschaftlich alle Umstände, wieso das DTC weniger oft benötigt wurde, durch eine tiefgreifende Analyse mit AI (ChatGPT) Unterstützung erhoben und die brachte folgende Erkenntnisse:

  • 99% Wahrscheinlichkeit: der Autor hat sich bei der M mehr ins Hoserl gemacht und deshalb weniger Gas gegeben

  • 30% Wahrscheinlichkeit: der Autor spart noch immer auf die S1000RR und wollte den Bausparer nicht wegen der M opfern

  • 5% Wahrscheinlichkeit: durch die sportlich aggressive Optik der M1000RR ist es nicht notwendig am Gashahn zu drehen, um ein „Einfetza“ zu sein.

ChatGPT kennt sich nicht aus, die Ursache ist ganz klar Punkt 3… ein Ferrari glüht ja auch nicht um die Ringstrasse, sondern man cruist mit solchen Gefährten. Rasen tut man mit den Häusln, die einem egal sind.

Leider habe ich nach der Rückgabe der M1000 RR einen schweren Fehler gemacht und um einen unmittelbaren Vergleich zu haben, meine RSV1000 Factory aus der Garage geholt. Was soll ich sagen… ich bin jetzt knapp vor einer Trennung meiner Bella, denn ein Youngtimer ist trotzdem alt und die BMW kann alles besser. 

BMW fährt erste Siege in der WSBK ein und was ist mit den Motorschäden?

Die M1000RR ist ja defacto das homologierte Superbike von Toprak Razgatlioglu und er fährt 2024 schon im zweiten Rennen den ersten Sieg für BMW ein, während Rea mit der Yamaha weit abgeschlagen ohne Punkte herumfährt. Aber Toprak hatte auch einen Motorschaden und im Internet gibt es doch einige Berichte von Problemen mit dem Motor, wobei sich BMW nicht immer kulant verhalten hat, vor Allem wenn man die Begrenzung zu früh entfernt hat. Wobei die Ursache meist ein Lager war, wobei mir unklar ist, ob das Lager schlecht verbaut wurde, oder eine schlechte Serie verbaut wurde. Daher immer bei BMW die Mängelbeseitigungsverlängerung abschließen. Kostet lächerliche EUR 325.- und beruhigt ungemein, vor Allem weil die M doch über EUR 45.000.- kostet, ohne Extras!  

Fazit:

Die M1000RR ist KEINE aufgemotzte S1000RR, sondern ein eigenständiges Bike mit einem eingeschränkten Nutzen (Rennstrecke, Wohnzimmer, dazwischen ein paar Mal die Hausstrecke cruisen). Aufgrund der geänderten Sitzposition ist eine Körpergröße ab 185cm sicher hilfreich, die 175cm Zwerge, wie ich, sitzen Handgelenksgestützt über den Tank gespannt und kommen mit den Zehenspitzen gerade noch beidbeinig auf den Boden.

Die Optik schaut aus wie bei den aktuellen Superbikes in der WM und ist unverkennbar. Das Ding schaut aber nicht nur schnell aus, es ist auch schnell. Unter 200kg voll mit 210 PS sind schon eine Ansage. Die Drehzahl bringt die Leistung, daher ist sie ganz einfach im untertourigen Bereich zu bewegen.

Nach einer Ausfahrt mit der M1000RR spürt man sich wieder. Man spürt das Leben und das Erlebte, und zwar auch körperlich. Ich mag dieses Gefühl sehr, es ist wie eine Selbstbestätigung. So ähnlich wie sich vielleicht Skifahrer nach dem Bezwingen der Streif fühlen. Trotz umfangreicher Elektronik ist nichts weichgespült. Und wer das Adrenalin nicht braucht, einfach nur mit der M zum Eissalon, oder noch besser zu einem Bikertreffpunkt cruisen und mit der M angeben, aber bitte nicht bei > 30 Grad, außer man zwängt sich in die Lederhaut.

Nachdem Yamaha die R1 einstellt, KTM leider keine Superbikes mehr anbietet, bleibt nur mehr Ducati oder BMW über. Die Ducati ist für mich schon inflationär auf den Hausstrecken unterwegs und ich habe mich auch schon irgendwie daran „satt gesehen“, daher ist die BMW meine persönliche erste Wahl.

Tags